Hamburg (dpa) - 24.03.2009, 13:49 Uhr
Für die Fußball-Bundesliga kommt die Länderspiel-Pause wie gerufen. Allen voran der beim erfolgreichen «Tanz auf drei Hochzeiten» in bisher 39 Saison-Pflichtspielen extrem belastete Hamburger SV, aber auch Rekordmeister FC Bayern München und der von Verletzungen arg gebeutelte Herbstmeister 1899 Hoffenheim empfinden die dank der Doppelrunde in der Qualifikation zur WM 2010 anstehende zweiwöchige Regenerationsphase als Segen. «Das wird uns gut tun, um neue Kräfte zu sammeln», befand Coach Martin Jol, dessen HSV in der Liga, im DFB- und UEFA-Pokal noch Titelchancen hat. «Nun können wir uns sammeln, dann geht es nach der Pause wieder volle Pulle los», ergänzte Nationalspieler Marcell Jansen.
Gleiches gilt für den FC Bayern, der nach dem Ausfall seines Top- Sturmduos Miroslav Klose/Luca Toni den italienischen Weltmeister bewusst schonte und ihn zum Auskurieren sogar in die Heimat schickte, damit er im Saison-Endspurt topfit ist. «Wir haben sehr genau mit Luca abgewägt, wie sein Programm in den nächsten zwei Wochen aussieht», erklärte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. «Wir haben nichts riskiert mit einem Einsatz gegen Bochum oder Karlsruhe. Zu 99,9 Prozent ist er gegen Wolfsburg und anschließend in der Champions League gegen Barcelona wieder dabei.»
Da sich Rivale Hamburger SV in der Winterpause mit gleich sechs Akteuren verstärkt hat, konnte er sogar die jüngsten Ausfälle der Nationalspieler Piotr Trochowski, Mladen Petric, Ivica Olic, Alex Silva und Guy Demel sowie mehrerer Langzeitverletzter fast problemlos wegstecken. Dagegen wurde die Überraschungs-Mannschaft aus Hoffenheim Opfer ihres Verletzungspechs und rutschte nach der Winterpause von Rang eins auf fünf ab. Kein Wunder, denn zuletzt gegen Hannover 96 (2:2) «fehlten» Vedad Ibisevic, Chinedu Obasi, Sejad Salihovic und Demba Ba, die zusammen 40 der bisher 52 Club-Saisontore erzielten.
«Unser Verletzungspech ist brutal. Nun wird es sehr schwer, Platz fünf gegen Stuttgart, Leverkusen und Dortmund zu verteidigen», sagte Mäzen Dietmar Hopp. Manager Jan Schindelmeiser hofft, «dass Ba, Obasi und Salihovic nach der Länderspiel-Pause wieder gesund sind. Das heißt aber noch nicht, dass sie auf dem alten Leistungsstand sind.»
Der größte Patient der Liga kommt aber wohl aus Frankfurt, wo die Eintracht zeitweise zwölf Ausfälle beklagte. «So etwas habe ich in meiner ganzen Karriere nicht erlebt», fauchte Coach Friedhelm Funkel, den die Verletzten-Misere fast den Job gekostet hätte. Auffällig ist, dass gleich vier Ausfälle mit Knorpelschaden sind sowie sage und schreibe 15 Akteure operiert werden mussten. «Die größten Eintracht- Gegner» seien Knorpel, Bruch und Riss, spottete die «Frankfurter Rundschau» kürzlich. Dass ihm von einigen Seiten falsches Training unterstellt wurde, nannte Funkel aber «eine absolute Frechheit».