Die schweren Vorwürfe haben Werder Bremens Clubchef Jürgen Born kapitulieren lassen und Klaus Allofs zum neuen starken Mann des Fußball-Bundesligisten gemacht.
Der seit fast zehn Jahren bei Werder tätige Born trat am 13. März zurück und reagierte damit auf Anschuldigungen, sich bereichert zu haben. «Das war eine folgerichtige Entscheidung», sagte der Aufsichtsrats-Vorsitzende Willi Lemke. Er werte den Rücktritt nicht als Schuldeingeständnis. Lemke ging aber deutlich auf Distanz zu Born: «An eine Zahlung von 50 000 Dollar würde ich mich erinnern und wüsste, wofür das Geld geflossen ist.»
Lemke berichtete von drei Gesprächen mit Born über die Problematik: «Mir ist nicht klar geworden, was es mit den Dingen auf sich hat. Borni konnte mir nicht sagen: Willi, so und so ist das.» Der ehemalige Manager des Clubs sagte zu den Folgen: «Es ist ein Imageschaden entstanden, das ist gar kein Frage, nicht nur in Deutschland, sondern auch in Europa». Mit der Suche nach einem oder zwei neuen Geschäftsführern werde ein Personalberater beauftragt. Lemke bestätige: «Marco Bode gehört mit zu denen, die in die Auswahl kommen.» Der 39 Jahre alte Ex-Profi Bode spielte von 1989 bis 2002 für Werder in der Bundesliga. «Wir entscheiden das völlig unaufgeregt. Ich gehe davon aus, dass wir in zehn bis zwölf Wochen die Vorschläge haben», sagte Lemke.
Born, der sich derzeit in Montevideo aufhält, ließ mitteilen: «Aufgrund der Tatsache, dass ich erneut Gegenstand von Berichten im Zusammenhang mit Finanztransaktionen der peruanischen Firma Image bin, werde ich meinen ohnehin zum Jahresende geplanten Rückzug aus der Geschäftsführung vorziehen.» Zugleich beteuerte er seine Unschuld: «Ich kann aber versichern, dass ich keinerlei unerlaubte finanzielle Vorteile auf Kosten der Werder Bremen GmbH & Co KG aA gezogen habe.»
Die Berichte peruanischer Zeitungen waren zuletzt zu einer immer größeren Belastung für Born und den Fußball-Bundesligisten geworden. Dem 68-Jährigen wird vorgeworfen, sich beim Transfer des Peruaners Roberto Silva im Jahr 2001 finanziell bereichert zu haben, es sollen 50 000 Dollar auf ein Konto von Born geflossen sein. Zudem soll sein Sohn Maximilian bei der Vertragsverlängerung von Nelson Valdez 2003 Geld erhalten haben. Born zog nun einen Schlussstrich unter seine fast zehnjährige Tätigkeit bei Werder, obwohl es derzeit keine Beweise gibt. Der Nachweis der Unschuld «erfordert jedoch einige Zeit», erklärte Born: «Ich möchte Werder daher von unnötigen Belastungen frei halten.»
«Die eingeleitete Untersuchung der Vorgänge durch eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft werden wir aber auf jeden Fall durchführen lassen», sagte Lemke. «Wir sind verpflichtet, zum Wohle von Werder Bremen die nötige Transparenz in dieser Angelegenheit zu schaffen.»
Borns Rückzug hatte sich bereits Anfang der Woche angedeutet, als er ankündigte, seine Ämter ruhen zu lassen. Der 52-jährige Allofs bleibt nun Vorsitzender der Geschäftsführung, vertritt neben dem Profisport auch den Bereich Öffentlichkeitsarbeit. Marketing-Fachmann Manfred Müller (64) übernimmt von Born die Finanzen. Diese Aufteilung in der Geschäftsführung, zu der auch Klaus-Dieter Fischer (68) gehört, soll nach Lemkes Angaben bis auf weiteres so bleiben. Der große Umbruch steht aber bevor, denn Müller soll 2010 ausscheiden.
Born war nach einer Karriere bei der Deutschen Bank am 23. Mai 1999 bei Werder als Nachfolger von Franz Böhmert angefangen. Nach fast 30 Jahren als Banker in Südamerika arbeitete er als Werder- Vorsitzender der Geschäftsführung, war für Finanzen und Öffentlichkeitsarbeit zuständig, erhielt dafür nach eigenen Angaben aber kein Gehalt. «Das ist mein Hobby», hatte Born dazu gesagt. Er galt als Idealbesetzung, aufgrund seines wirtschaftlichen Knowhows und seiner Sprachkenntnisse, aber auch wegen seiner Bodenständigkeit und Freundlichkeit. In seiner Amtszeit feierte Werder das Double 2004 und spielte fünf Mal in Folge in der Champions League.
Der öffentliche Druck wurde nun offensichtlich zu hoch, obwohl die Quelle der Vorwürfe nur ein anstehendes Scheidungsverfahren zwischen dem peruanischen Spielerberater Carlos Delgado und dem Modell Fiorella Faré ist. Die Frau besitzt nach eigenen Angaben 4000 Dokumente und lässt nun einige über ihren Anwalt an einheimische Medien geben.