Doping-Affäre: Freispruch für Hoffenheimer Spieler
Frankfurt/Main (dpa) - 06.03.2009, 17:34 Uhr
Die Verteidiger Christoph Janker (l) und Andreas Ibertsberger vom Fußball-Bundesligisten 1899 Hoffenheim.
Die Profis Andreas Ibertsberger und Christoph Janker können vorerst aufatmen, Herbstmeister 1899 Hoffenheim drohen in der Dopingtest-Affäre aber weiter Konsequenzen. Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) sprach die beiden Akteure vorläufig frei, weil ihnen der «Tatbestand der Weigerung bzw. Versäumnis einer Dopingkontrolle nach Aufforderung» nicht nachgewiesen werden könne. Dagegen wird der Ausschuss gegen den Aufsteiger und seinen zum Sündenbock abgestempelten Doping-Beauftragten Peter Geigle Anklage beim Sportgericht erheben und eine mündliche Verhandlung beantragen. «Wir waren von Anfang an von der Unschuld unserer Spieler überzeugt und sind natürlich erleichtert, dass auch der DFB-Kontrollausschuss dies so sieht», betonte Manager Jan Schindelmeiser. «Die öffentliche Diskussion über eine mögliche Sperre war insbesondere für die beiden Spieler eine große Belastung. Es sei nicht extra zu betonen, dass die Einhaltung der Anti-Doping- Richtlinien für uns von höchster Bedeutung ist. «Wir haben die zu dem Missverständnis beigetragenen Umstände intern akribisch aufgearbeitet und die notwendigen Maßnahmen eingeleitet, einen solchen Vorfall zukünftig auszuschließen», ergänzte Schindelmeiser.
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Der Club muss mit einer Geldstrafe in Höhe von bis zu 150 000 Euro rechnen, im schlimmsten Fall könnten sogar Punkte aberkannt werden. Der Einspruch von Borussia Mönchengladbach gegen die Partie am 7. Februar (1:1) soll mit dem Verfahren gegen Hoffenheim verbunden werden. Die mündliche Verhandlung vor dem DFB-Sportgericht soll noch in diesem Monat stattfinden, um schnellstmöglich zu einem endgültigen Ergebnis zu kommen. Schließlich könnte der Fall auch das Titelrennen der Fußball-Bundesliga beeinflussen, wenn Hoffenheim doch ein schwerwiegendes Fehlverhalten nachgewiesen werden sollte und es damit zu einem Punktabzug käme. Dennoch herrschte beim Aufsteiger zunächst Erleichterung. «Da fällt mir aber eben ein Stein vom Herzen, dass die Jungs da nicht etwas ausbaden müssen», betonte Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp. Beide Akteure stehen damit am Samstag im Heimspiel gegen Werder Bremen zur Verfügung. Auch die Vereinigung der Vertragsfußballspieler (VDV) begrüßte die Entscheidung. «Wir haben von Anfang an gesagt, dass die Spieler nicht für die Fehler des Clubs büßen dürfen», sagte VDV-Präsident Florian Gothe. |
Die Nationale Anti-Doping-Agentur (NADA), vom DFB-Kontrollausschuss-Vorsitzenden Rainer Koch bereits über die Ermittlungsergebnisse informiert, wird zunächst keine weiteren Schritte einleiten. «Wenn es so ist, wie es vom DFB dargestellt wurde, dann ist die Konsequenz richtig, dass es keine Sperre für die Spieler gibt, aber wir werden alles prüfen», sagte NADA-Justiziarin Anja Berninger der Deutschen Presse-Agentur dpa. «Wenn das Verfahren gegen die Betreuer noch ein Verschulden der Spieler ergeben sollte, könnte es ein neues Verfahren geben», erklärte Berninger, die aber davon ausgeht, dass der DFB dann selbst tätig werde. Genau dies werde der Verband tun, sagte Koch, der auch der Vorsitzende der Anti-Doping-Kommission des DFB ist. «Der Fall ärgert mich am meisten. Das war keine ordentlich durchgeführte Dopingkontrolle, sondern eine Alibi-Veranstaltung», sagte Koch. «Das war ein naiver Umgang mit den Dopingkontrollen. Ich hoffe, dass dieser Fall besser wirkt als alle Schulungen», der der Jurist, der darauf hinwies, dass es noch drei Tage vor dem Vorfall eine Lehrveranstaltung für die Mannschaftsärzte beim DFB in Frankfurt gegeben habe. Dennoch lief bei der Kontrolle im Borussia-Park «fast alles schief». Der Hoffenheimer Doping-Beauftragte Geigle hatte es versäumt, Ibertsberger und Janker direkt nach Spielende darüber zu informieren, dass sie zur Kontrolle ausgelost worden waren. Stattdessen erfuhren beide Spieler erst in der Kabine davon. Geigle hatte in seiner Vernehmung vor einer Woche angegeben, er habe dies schlichtweg vergessen. Nach Aussagen Kochs hat sich jedoch auch der Doping-Kontrollarzt des DFB eines schweren Vergehens schuldig gemacht, indem er ihn nicht sofort über die Verspätung der beiden Hoffenheimer informiert habe. Dies war erst einige Tage später schriftlich erfolgt. Der Arzt und sein Assistent wurden vorläufig suspendiert. Anders als im Fall der beiden italienischen Profis Daniele Mannini und Davide Possanzini, die vom Internationalen Sportgerichtshof CAS am 29. Januar zu einem Jahr Sperre verurteilt worden waren, sei Ibertsberger und Janker deshalb kein schuldhaftes Fehlverhalten nachzuweisen. Die beiden Italiener hatten gewusst, dass sie zur Kontrolle mussten, dennoch hatten sie sich verspätet. Wegen neuer Beweise wird der CAS den Fall jedoch neu aufrollen. Die Proben der beiden Hoffenheimer Spieler waren im übrigen negativ. Der DFB wird aus dem Fall aber auch selbst Konsequenzen für sein eigenes Doping-Kontrollsystem ziehen. So schnell wie möglich soll es wie in anderen Fachverbänden bereits üblich ein «Chaperon-System» geben, bei dem eine unabhängige Person die Sportler über die abzugebende Probe informiert, sie bis in den Doping-Kontrollraum begleiten und garantieren soll, dass keine Manipulationen vorgenommen werden.
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