Gefühlte Niederlage sorgt für Schalker Frust
Gelsenkirchen (dpa) - 21.02.2009, 12:18 Uhr
Schalkes Kevin Kuranyi ärgert sich nach einer vergebenen Chance.
Die Fans von Borussia Dortmund jubelten wie nach einem Derbysieg, bei Schalke 04 sorgte die «gefühlte Niederlage» mal wieder für Frust. «Die Enttäuschung ist groß, dass man so ein Spiel verliert», klagte Fred Rutten. Der Versprecher des Schalker Trainers offenbarte die «königsblaue» Unzufriedenheit nach dem 1:1 (1:0) gegen den Revierrivalen. Mit dem insgesamt starken Auftritt hat sich die explosive Stimmung um Rutten und Manager Andreas Müller zunächst zwar beruhigt. Doch nach nur einem Sieg aus den vergangenen fünf Partien rückt der Abschied von den Europapokalplätzen in der Fußball-Bundesliga näher. «Es wäre leichtfertig, wenn wir das nicht einplanen würden», sagte Präsident Josef Schnusenberg. Ohne die Teilnahme am internationalen Wettbewerb werde es weitere «moderate Einschnitte» im Sommer geben, kündigte der Schalke-Boss an. Nach seiner Job-Garantie für Rutten und Müller hofft Schnusenberg auf den Beitrag der Mannschaft, damit «von außen keine Unruhe mehr hereingetragen wird». Gestärkt ging der zuletzt schweigsame Manager verbal in die Offensive: «Ich habe lange Zeit die schützende Hand über die Mannschaft gehalten. Aber ich denke, jetzt muss auch mal einiges zurückkommen», forderte Müller. Es sei nun wichtig, die neue Saison strategisch vorzubereiten. «Wir haben eine sehr gute Möglichkeit, auch wenn jetzt alles sehr negativ ist. Aber das ist auch eine Riesenchance für den Club.»
Immerhin hängte sich Schalke gegen den BVB voll rein, zeigte Leidenschaft und Kampfgeist. Doch wie schon beim 3:3 im Hinspiel, als eine 3:0-Führung nicht zum Erfolg reichte, nutzte der Tabellen-Neunte seine Überlegenheit nicht konsequent aus. «Kevin muss das zweite Tor machen, dann ist das Spiel weg», bedauerte Rutten. Der angesprochene Stürmer war der tragische Held des Abends: Erst wurde er für sein «Weltklasse-Tor» (Rutten) per Seitfallzieher (20.) der Marke Klaus Fischer frenetisch gefeiert, dann aber ließ er weit bessere Torchancen wiederum aus. «Vielleicht wollte ich zu viel», erklärte Kuranyi, als er nach der Dopingkontrolle erst kurz vor Mitternacht zum Interview erschien. Dass bei Schalkes Misere höhere Mächte am Werk sind, vermutet der unermüdlich rackernde Jermaine Jones: «Wenn du die Seuche hast, dann fällt der Ball wieder dem Gegner vor die Füße.» So landete das Spielgerät in der 81. Minute nach einem Strafraum-Gewühl unverhofft beim agilen Einwechselspieler Mohamed Zidan. Erste Chance, erstes Tor. Dem Klagelied der Schalke-Profis über fehlendes Glück mochte sich Rutten aber nicht anschließen. «Man kann nicht von Pech sprechen. Im Fußball geht es darum, Tore zu schießen und zu verhindern.» Damit sich auch der BVB an diese einfache Formel erinnerte, half Trainer Jürgen Klopp in der Halbzeitpause mit Video-Sequenzen nach. Der Anschauungsunterricht fruchtete vor allem bei Zidan. Mit den Worten «Ich geb' dir meine Kraft» schickte Klopp den Stürmer auf das Feld. Und der im Hinspiel noch von den eigenen Fans ausgepfiffene Ägypter zahlte das Vertrauen zurück. Zufrieden waren die Borussen am Ende, richtig glücklich nach der elften Punkteteilung der Saison aber nicht. «Nach dem Spielverlauf müssen wir uns freuen», sagte Klopp, warnte aber: «Wir müssen aufpassen, dass uns die Unentschieden nicht so ankotzen, dass wir am Ende die Spiele verlieren.»
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