BVB-Neuzugang Boateng will seinen Ruf aufpolieren
Marbella (dpa) - 15.01.2009, 14:50 Uhr
Der Ex-Herthaner Kevin-Prince Boateng will nicht mehr der Bad-Boy sein.
Lockeres Mundwerk, unkonventionelles Aussehen, selbstbewusste Körpersprache - Kevin-Prince Boateng ist ganz der Alte. Die unerfreuliche Zeit als Teilzeitkraft des englischen Clubs Tottenham Hotspur hat der Neuzugang von Borussia Dortmund scheinbar unbeschadet überstanden. Erste verheißungsvolle Auftritte im Trainingslager an der spanischen Costa del Sol schüren beim Revierclub den Glauben auf eine schnelle Integration des als schwierig geltenden Mittelfeldspielers. »Für beide Seiten macht die Verpflichtung Sinn. Wir hoffen auf eine Win-Win-Situation», sagte BVB-Trainer Jürgen Klopp. Die Ausgangslage scheint günstig. Der bis zum Saisonende für 100 000 Euro ausgeliehene Boateng brennt nach mehrmonatigem Reservistendasein auf sportliche Rehabilitation, der BVB-Coach auf eine Belebung des Konkurrenzkampfes in dem durch Verletzungen gebeutelten Mittelfeld. Viel wird davon abhängen, wie der exzentrische Boateng und der als «Streetworker» bewährte Klopp in den kommenden Tagen zusammenfinden. Der ehemalige Hertha-Profi wähnt sich in guten Händen: «Jeder weiß doch, dass Klopp auf verrückte Typen steht. Ich will meinen Ruf aufpolieren.»
Als Boateng im Sommer 2007 für fast acht Millionen Euro nach London wechselte, hielt sich die Wehmut bei der Hertha in Grenzen. Schließlich galt die sogenannte Wedding-Connection, wie das Trio Kevin-Prince Boateng, Jerome Boateng und Ashkan Dejagah aus dem gleichnamigen Stadtteil Wedding bezeichnet wurde, als unzähmbar. Mit nächtlichen Eskapaden, teuren Autos und selbstherrlichem Gehabe bediente der damalige U 21-Nationalspieler alle Klischees eines außer Kontrolle geratenen Fußball-Talents. Kontakte von Boateng zu seinen ehemaligen Mitstreitern aus Berlin, die in Marbella auf der gleichen Anlage trainieren, halten sich in Grenzen. Für Klopp, der schon bei Problemfall Mohamed Zidan pädagogische Fähigkeiten unter Beweis stellte, ist das Schnee von gestern: «Meistens sind die Jungs nicht im Ansatz so schwierig, wie sie gemacht werden. Mir macht es Spaß, sie zurück in die Spur zu bringen.» Der Coach hofft, dass die 18-monatige Erfahrung in Tottenham für Boateng lehrreich war - nicht nur in sportlicher Hinsicht: «Es ist gut, wenn die Leute mal spüren, dass das Leben keine Autobahn ist.» Geht das Experiment gut, soll im Sommer über eine feste Verpflichtung von Boateng entschieden werden. Nach nur 14 Ligaeinsätzen für Tottenham hält sich die Bereitschaft des Profis zur Rückkehr nach London in Grenzen. Vorsichtshalber sicherte sich BVB- Manager Michael Zorc eine Kaufoption. Fraglich erscheint allerdings, ob der finanziell nicht auf Rosen gebettete Revierclub einen solchen Transfer stemmen könnte. Nicht nur deshalb hält sich Zorc mit Prognosen wohlweislich zurück: «Zunächst wollen Spieler und Verein prüfen, ob es miteinander funktioniert.»
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