Bescheidene Töne aus Hoffenheim
Sinsheim (dpa) - 04.01.2009, 11:42 Uhr
Torhüter Timo Hildebrand beim Trainingsauftakt in Hoffenheim.
Beim Trainingsauftakt von Herbstmeister 1899 Hoffenheim forderten rund 1000 Fans lautstark Timo Hildebrands Rückkehr in die Fußball-Nationalmannschaft, doch die spektakulärste Neuverpflichtung des Bundesliga-Aufsteigers gab sich bei der ersten Übungseinheit bescheiden. Als die Rufe «Timo für Deutschland» ertönten, legte Hildebrand den Finger auf den Mund und wehrte allzu stürmische Sympathie-Bekundungen ab. «Fußball ist ein Mannschafts-Sport. Ich möchte nicht als Star gefeiert werden», sagte der 29-Jährige, der von zwei weiblichen Fans eine Torte geschenkt bekam. Natürlich ist die DFB-Auswahl für Hildebrand, der nach eigener Aussage in den eineinhalb Jahren beim FC Valencia gereift ist und viel dazu gelernt hat, weiter ein Thema. Immerhin steht die WM 2010 in Südafrika vor der Tür. Doch forsche Töne hört man von Hildebrand, den die Ausbootung vor der Europameisterschaft schwer getroffen hat, nicht. «Die Leistung entscheidet mehr oder weniger.» In Hoffenheim hat der Blondschopf die Gelegenheit, sich bei Bundestrainer Joachim Löw wieder nachhaltig ins Gespräch zu bringen. Immerhin habe ihm Löw zum Wechsel ins Kraichgau per SMS gratuliert, verriet Hildebrand.
Trainer Ralf Rangnick nimmt dessen Bescheidenheit mit Wohlwollen zur Kenntnis. «Er will zeigen, dass er kein Star sein will. Man hat ja gehört, dass er woanders eine Diva gewesen sei. Aber ich habe ihn ganz anders kennengelernt. Er will keine Sonderrechte», so Rangnick. Auch der Coach bevorzugte trotz der verbalen Breitseite von Bayern Münchens Präsident Franz Beckenbauer, der den Hoffenheimern beginnenden Größenwahn vorgeworfen hatte, ruhige Töne. «Wir wollen weiterhin schönen Fußball spielen und dazu lernen», nannte er als Ziel für die Rückrunde. Den Attacken aus München begegnet man ohnehin mit Gelassenheit. «Wir sind nicht auf Augenhöhe mit den Bayern und noch keine Spitzenmannschaft der Bundesliga. Die Bayern sehen uns offenbar besser, als wir uns selbst sehen», betonte Rangnick. |