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Hoffenheim im Fußball-Ausnahmezustand

Hoffenheim (dpa) - 05.12.2008, 23:04 Uhr

Auch einige Anhänger der Hoffenheimer haben es ins Münchner Stadion geschafft.
Auch einige Anhänger der Hoffenheimer haben es ins Münchner Stadion geschafft.

Geschlagen, aber nicht niedergeschlagen: Als ihre Helden von 1899 Hoffenheim im fernen Bayern in letzter Minute das Spiel der Spiele verloren hatten, herrschte im berühmtesten Fußballdorf des Landes nur kurz Enttäuschung.

Das 1:2 beim deutschen Branchenprimus FC Bayern München nach großem Kampf machten die vielen Fans stolz. Trotzig sagten sie voraus, dass der Überraschungs-Spitzenreiter nächste Woche die inoffizielle Herbstmeisterschaft in den 3300-Seelen-Ort holt.

Elf Minuten lang hatte es so ausgesehen, als ob der prestigeträchtige Titel bereits vorzeitig in die Kurpfalz kommen sollte. Torjäger Vedad Ibisevic hatte die Hoffenheimer kurz nach dem Wechsel in Führung geschossen. Fangesänge waren aus dem vollen Gemeindehaus zuhören, unter den dicht gedrängten Zuschauern im Döner-Bistro gegenüber brach Riesenjubel aus. Doch erst schoss Philipp Lahm den Ausgleich für die Bayern. Dann markierte Luca Toni in der Nachspielzeit den Siegtreffer für die Münchener und machte die Fans kurzzeitig trübsinnig.

Schon den ganzen Abend über lag das Dorf im Ausnahmezustand: Zum Anpfiff beim ebenso fernen wie großen FC Bayern war kein Einwohner mehr auf den Straßen zu sehen. Die ganze Gemeinde schien vor dem Fernseher versammelt, um zu sehen, wie ihre Heroen sich in München schlagen. Nur wenige hatten das Glück, selbst Karten für die Allianz Arena zu ergattern.

Dabei war zwei Stunden vor dem Anpfiff von Aufregung in der derzeitigen Fußball-Hauptstadt des Landes kaum etwas zu spüren. Die blauweißen Fahnen hingen nass und schlaff im Herbstregen herab, kaum ein Schlachtenbummler war auf der Straße zu sehen. Einzig im Zentrum Hoffenheims tummelten sich die Menschen. Mit Schirmen, Mützen und Schals gegen das Wetter gewappnet, warteten rund 100 Fußballfans geduldig vor dem Gemeindesaal.


Ein wirkliches Public Viewing gab es dort aber nicht: Offiziell wurde das Spiel in «geschlossener Gesellschaft» geschaut - Medienrummel sollte vermieden werden. Die Alternative war das Döner- Bistro gegenüber.

Aber auch hier war eine halbe Stunde vor Spielbeginn kaum ein Platz mehr zu bekommen. Viele standen, ein Fernsehteam drängte in den engen Raum. «Seit dem Aufstieg ist bei uns immer so viel los», sagte der Wirt. Plötzlich betrat mit fragendem Gesicht ein fliegender Händler das Restaurant. Kaum zu glauben, aber er wusste nicht, was die kleine Gemeinde heute am meisten beschäftigt. Der Verkäufer schmunzelte: «Hoffenheim ist hier. Das ist ein Dorf, das gegen Bayern München spielt.» Aber ein Dorf, das sich an diesem Herbstabend glänzend gegen den großen Rivalen behauptete - auch wenn es erst nächste Woche mit der Herbstmeisterschaft klappen sollte.

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