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Abstiegskampf: «Schneckenrennen» in der Bundesliga

Düsseldorf (dpa) - 25.11.2008, 14:42 Uhr

Gladbachs Trainer Meyer kritisiert die Zweiklassengesellschaft in der Bundesliga.
Gladbachs Trainer Meyer kritisiert die Zweiklassengesellschaft in der Bundesliga.

Im Kampf gegen den Abstieg kommt ein Drittel der Fußball-Bundesliga nur im Schneckentempo voran. Noch nie seit Einführung der Drei-Punkte-Regel im Jahr 1995 sammelten die sechs Mannschaften am Tabellenende bis zum 14. Spieltag so wenig Zähler wie in dieser Spielzeit.

Zufall oder Trend? Für die Verantwortlichen der Kellerkinder ist die magere Ausbeute ein eindeutiges Indiz für die oft zitierte Zweiklassen-Gesellschaft in der Eliteliga. «Das zeigt, wie weit die Schere auseinandergeht», betont Thomas Ernst, Sportvorstand des VfL Bochum. «Da fehlen individuelle Klasse und vor allem auch finanzielle Möglichkeiten, um das auszugleichen.»

Hans Meyer beobachtet die bedenkliche Entwicklung seit Jahren mit Sorge. «Es zeichnet sich eine Grundtendenz ab. Es stehen eigentlich immer die gleichen Teams unten, die man am Anfang einer Saison auch dort erwartet. Allerdings gibt es immer auch ein, zwei Ausreißer nach oben. Diesmal ist es Hoffenheim», stellte der 67 Jahre alte Trainer fest, der mit Aufsteiger Borussia Mönchengladbach (Platz 15) ebenso ums Überleben kämpft wie Hannover 96 (13), Arminia Bielefeld (14), VfL Bochum (16), Karlsruher SC (17) und Schlusslicht Energie Cottbus. Meyer: «Diese Teams stehen da unten in trautem Verbund und spielen ihre separate Meisterschaft aus.»

Die Zahlen belegen das. In diesem Jahr bringt es das Sextett am Tabellenende nach 14 Spieltagen gemeinsam nur auf 65 Punkte. Weniger als je zuvor, seit ein Sieg drei Zähler wert ist. Ähnlich schwach schnitt das letzte Liga-Drittel nur in den Spielzeiten 2005/2006 (67 Punkte) und 2001/02 (68) ab. Das andere Extrem: Die meisten Zähler sammelten die letzten Sechs in den Spielzeiten 2000/01 und 1997/98 (jeweils 88).

2002 und 2006 sowie in diesem Jahr wiesen die Clubs auf dem ersten Nicht-Abstiegsplatz am Saisonende die bislang geringste Punktzahl auf, nämlich 34. 2002 hätten dem 1. FC Nürnberg sogar 30 Zähler und ein besseres Torverhältnis als Absteiger SC Freiburg zur Rettung gereicht. Im Gegensatz dazu benötigte Gladbach 1997/98 sogar 38 Punkte zum Klassenverbleib. Mehr waren noch nie nötig. Die Saison 2001/02 war bislang die einzige, in der der Tabellen-13. (HSV) wie heute Hannover nur auf 13 Punkte nach 14 Spielen kam - Minusrekord.


Ein Indiz dafür, wie knapp und spannend es diesmal bis zum Ende bleiben dürfte, ist der geringe Abstand zwischen Platz 13 und 18. Hannover ist nur vier Zähler besser als Cottbus. Dieselbe Differenz gab es 1995/96: Uerdingen, Kaiserslautern und der KSC hatten auf den Rängen 13 bis 15 seinerzeit 14 Punkte auf dem Konto, die letzten Beiden, Köln und Freiburg, jeweils zehn. Noch enger ging es aber ein Jahr später zu: Damals lagen zwischen dem Tabellen-11. (HSV/15 Punkte) und dem Letzten (Rostock/12) ganze drei Pünktchen.

Und schon laufen die Hochrechnungen, wie viel Punkte diesmal genügen könnten, um den Sturz in die 2. Liga zu vermeiden. Wobei der 16. in der Relegation noch die Chance hätte, den Klassenverbleib zu sichern. «30 Punkte», meinen Eintracht Frankfurts Clubchef Heribert Bruchhagen und Cottbus-Kapitän Timo Rost unisono, brächten womöglich schon die Rettung. VfL-Manager Ernst nennt «34» als Glückszahl, und Energie-Manager Steffen Heidrich unterbietet alle. «Schon 27 Punkte könnten reichen.» Hans Meyer kann mit derlei Prognosen nicht viel anfangen: «Das Vorausplanen von Punkten überlasse ich den Fans, Wettern und Präsidiumsmitgliedern.»

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