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Clubs und Schiedsrichter auf Schmusekurs

München (dpa) - 17.11.2008, 16:54 Uhr

Ein Blick auf die Teilnehmer des runden Tisches des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zu Schiedsrichterfragen.
Ein Blick auf die Teilnehmer des runden Tisches des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zu Schiedsrichterfragen.

Nach dem Zoff der vergangenen Tage gehen Schiedsrichter und Bundesliga-Clubs wieder auf Schmusekurs. «Das Verhältnis zwischen Schiedsrichtern und Clubs ist wesentlich besser als vor einigen Jahren», stellte Bayern-Manager Uli Hoeneß fest.

«Es gibt aktuell keine Verrohung der Sitten, das sind Einzelfälle», sagte Hoeneß beim Runden Tisch in München. Den von Franz Beckenbauer und Co. geforderten schärferen Sanktionen erteilten der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und die Deutsche Fußball Liga (DFL) eine Absage. «Härtere Strafen bringen nichts», sagte DFB-Vizepräsident Rainer Koch nach dem hochkarätig besetzten Krisengipfel.

Um den gegenseitigen Respekt zwischen Clubs und Unparteiischen weiter zu fördern, soll der Kontakt intensiviert werden. Bei der nächsten Halbzeit-Tagung der Schiedsrichter vom 23. bis 25. Januar sollen diese mit Bundesliga-Managern «aktuelle Themen in Workshops aufarbeiten, um eine möglichst einheitliche Regelauslegung zu erreichen», kündigte Koch an. «Es ist für uns wichtig, dass man sich austauscht», sagte DFB-Schiedsrichter-Lehrwart Eugen Strigel.

Hoeneß warb um mehr Verständnis für die Referees: «Für sie ist es extrem schwierig in den heutigen Stadien, in denen die Zuschauer direkt an den Außenlinien kleben.» Der Manager des Rekordmeisters forderte Spieler und Trainer zu besonneneren Reaktionen auf. «Zum gegenseitigen Respekt gehört, dass man seinen Ärger auch mal herunterschluckt und sich zurückhaltender während und nach dem Spiel verhält.»

Die Unparteiischen stehen den jüngsten Anfeindungen gegen sie unaufgeregt gegenüber. «Emotionen gehören zum Fußball dazu», sagte FIFA-Schiedsrichter Herbert Fandel. «Aber wenn man über das Ziel hinausschießt, dann muss man es auch abkönnen, bestraft zu werden.» Ex-Referee Lutz-Michael Fröhlich ergänzte: «Den Schiedsrichtern geht es nicht darum, dass Spieler und Trainer besonders hart bestraft werden.»


In den Fokus des Runden Tisches rückten auch Vorfälle im europäischen Fußball. Bei einigen internationalen Partien waren Spieler von Zuschauern mittels Laserstrahlern gestört worden. «Das werden wir bei uns nicht dulden», betonte Koch, «wir bauen auch auf die Unterstützung der fairen Fans in den Kurven.»

Nach teils heftigen Auseinandersetzungen in jüngster Vergangenheit war die Atmosphäre in der Bundesliga vergiftet wie selten zuvor. «Wenn man sich nicht mehr aufregen darf und wie ein Klosterschüler da sitzen muss, dann ist es besser, wir hören auf», hatte sich Bochums Coach Marcel Koller am Freitag nach dem Spiel bei Hannover 96 (1:1) beklagt. Der Schweizer war wegen wegen ständigen Reklamierens von Schiedsrichter Michael Kempter des Innenraums verwiesen worden.

Angesichts des verschärften Reizklimas hatte Fußball-Experte Günter Netzer einen Strafenkatalog gefordert, «denn diese Auswüchse sind leider nur noch über Geldstrafen oder Rote Karten zu regeln.» In der vergangenen, von Bestrafungen und Beschimpfungen begleiteten Woche, waren Borussia Dortmunds Trainer Jürgen Klopp (12 000 Euro) und Werder Bremens Stürmer Claudio Pizarro (3000 Euro) nach Schiedsrichter-Schelten kräftig zur Kasse gebeten worden.

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