Rolf Geissler: Seit 31 Jahren VfB-Busfahrer
Stuttgart (dpa) - 08.10.2008, 10:03 Uhr
Rolf Geissler steht bei einem Heimspiel des VfB Stuttgart vor dem Mannschaftsbus.
Mit Mario Gomez an der Hotelbar, mit Armin Veh am Esstisch und mit Jürgen Klinsmann unterm Auto - der Busfahrer des VfB Stuttgart ist im Alltag des schwäbischen Bundesligisten mittendrin statt nur dabei. Seit 31 Jahren chauffiert Rolf Geissler die Fußball-Profis zu Heim- und Auswärtspartien, ins Hotel oder zum Flughafen und ist damit der Dienstälteste seiner Zunft. «Ich bin nicht bloß der Busfahrer. Ich gehöre richtig dazu», sagt Geissler. «Mein Verhältnis zu manchen Spielern ist väterlich», sagt der «Lenker», der manchmal auch in die Rolle des Psychologen schlüpft. «Wenn einer mal nicht spielt, dann muss ich auch mal zuhören», erklärt der KFZ-Meister mit dem Hobby VfB. Gut eine Stunde vor dem Anpfiff lenkt Geissler seinen Bus durch die Stadioneinfahrt. 20 Minuten dauert die Fahrt vom Hotel zur Heimspielstätte - 20 Minuten der Stille. «Die müssen sich konzentrieren. Da läuft keine Musik. Da redet keiner», verrät der 60- Jährige, der den weinroten Mannschaftsanzug trägt. Nationalstürmer Gomez hat sich seinen Lieblingsplatz neben dem neuen Torhüter Jens Lehmann in der zweiten Reihe ausgesucht. «Die sitzen jetzt immer nebeneinander. Die Trainer sitzen in der ersten Reihe. Und ganz hinten die Kartenspieler.»
Wenn Gomez und Lehmann mit ihren Mannschaftskollegen zum Aufwärmen ins Stadion einlaufen, hat Geissler seine Arbeit vorerst erledigt. «Das sind alle gute Typen», sagt der Busfahrer, der seinen Platz während der Spiele hinter der Trainerbank hat. Geissler versteht sich auch mit früheren Fußballern prächtig: Mit dem ehemaligen VfB- Torjäger und jetzigem Bayern-Trainer «Klinsi», dem Geissler einst half, den Auspuff seines Käfers zu reparieren, telefoniert er ab und an. Karlheinz und Bernd Förster zählt der Chauffeur zu seinem Bekanntenkreis. Nach dem Wiederaufstieg der Stuttgarter ins Fußball-Oberhaus 1977 übernahm Geissler das VfB-Lenkrad. Seine eindrucksvolle Bilanz: 22 Trainer, drei deutsche Meisterschaften, ein DFB-Pokalsieg und zwei Europapokal-Endspiele, dazu etliche Spielergenerationen. |