Tormaschine Petric nährt HSV-Traum
Cottbus (dpa) - 06.10.2008, 13:19 Uhr
Die Hamburger de Jong, Petric und Jarolim (v.l.) danken den mitgereisten Fans.
Einen kleinen Makel haben die Profis des Hamburger SV beseitigt, doch die Fans denken schon in viel größeren Dimensionen. «Deutscher Meister wird nur der HSV», sangen die in die Lausitz mitgereisten Anhänger des Bundesliga-Tabellenführers ausgelassen, nachdem die Hamburger erstmals in ihrer 121-jährigen Club-Geschichte ein Spiel in Cottbus für sich entschieden hatten. «Endlich haben wir hier mal gewonnen, das ist doch auch eine tolle Sache», erklärte Torhüter Frank Rost mit einem Schmunzeln. Mit den Meister-Rufen der Fans jedoch wollen sich die Profis erst «am 34. Spieltag» beschäftigen, betonte Rost, der wie alle anderen Protagonisten genau weiß, wem der HSV die Träume zu verdanken hat. «Mladen hat einen Lauf. Ich hoffe, er hält noch 27 Spieltage an.» Der Kroate Mladen Petric, erst kurz vor Saisonbeginn im Tauschgeschäft mit Mohamed Zidan zuzüglich einer Ablöse von 4,8 Millionen Euro von Borussia Dortmund zum HSV gekommen, ist derzeit der Supermann in der Fußball-Bundesliga. In den vergangenen vier Pflichtspielen der Hamburger hat er sechsmal getroffen, in Cottbus sicherte er mit einem Kopfball Sekunden vor dem Ende den historischen 2:1-Sieg. Jetzt hat der HSV in allen Bundesliga-Stadien der Republik schon einmal gewonnen. «Dass wieder Mladen das entscheidende Tor macht, zeigt seine Klasse. Er steht da, wo der Ball landet, und macht ihn dann rein, das ist seine große Qualität», erklärte HSV-Sportchef Dietmar Beiersdorfer.
Für Trainer Martin Jol ist die Rolle, die Petric eingenommen hat, keine Überraschung. «Mladen ist das nicht von heute auf morgen geworden. Er war schon in der Schweiz ein Goalgetter und auch in Dortmund, aber vielleicht noch nicht diese Tormaschine», erklärte der Niederländer, betonte jedoch einen anderen Aspekt: «Jetzt haben wir noch mehr Spieler, die Tore machen können.» In der Tat macht den Hamburgern nicht nur der kroatische Nationalstürmer Petric, sondern die neue Qualität des großen Kaders Mut für einen neuen Gipfelsturm. In Cottbus saßen die beiden Brasilien-Einkäufe Alex Silva und Thiago Neves, dazu auch Marcell Jansen zunächst auf der Bank. Der deutsche Nationalspieler verletzte sich wie Thimothee Atouba am Oberschenkel - U 21-Spieler Jerome Boateng sprang ein. «Wie heißt es so schön? Wenn man solche Spiele gewinnt, ist vieles möglich», sagte Matchwinner Petric. |
Die Cottbuser haderten am Ende mit dem fehlenden Glück. «Ein 1:1 wäre verdient gewesen», sagte Torwart Gerhard Tremmel. Nach der Führung durch Ivica Olic und weiteren HSV-Chancen kämpfte sich Energie nochmals heran, wurde durch das 1:1 von Branko Jelic belohnt. «Am Ende hat uns die Konzentration gefehlt», meinte Trainer Bojan Prasnikar, der ohne Spielmacher Ervin Skela und Angreifer Dimitrar Rangelow auskommen musste. «Skela hatte Temperatur, Rangelow sieben Tage Pause wegen einer Verletzung», begründete der Slowene. Beim Abschlusstraining waren Skela und Rangelow nach rüden Attacken des Bulgaren aneinandergeraten, Prasnikar hatte das Trainingsspiel abgebrochen und beide Spieler in die Kabine geschickt. «Das war nicht angenehm, wir haben darüber gesprochen. Es hatte aber nichts damit zu tun, dass beide gegen den HSV nicht gespielt haben», betonte Manager Steffen Heidrich.
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