Mit Repsekt: Woronin trifft eiskalt für Hertha
Leverkusen (dpa) - 05.10.2008, 10:33 Uhr
Die Berliner feiern das 1:0 von Woronin.
Andrej Woronin kannte keine Gnade. Eiskalt zelebrierte der ukrainische Fußball-Profi den Premieren-Treffer nach seiner Rückkehr in die Bundesliga. Doch den Jubel verbot sich der 29- Jährige selbst. Zu groß war sein Respekt, um das späte Siegtor zum 1:0 (0:0) für seinen neuen Club Hertha BSC in der alten Heimat im Überschwang zu feiern. «Ich hatte drei schöne Jahre hier und ein tolles Verhältnis zu den Fans» - es klang fast so, also wollte sich Woronin dafür entschuldigen, dass er nach 146 Tagen ohne Tor in einem Liga-Spiel ausgerechnet seinen ehemaligen Arbeitgeber Bayer Leverkusen bis ins Mark traf. Seit dem 11. Mai und der 1:0-Führung zum 2:0 des FC Liverpool in der Premier League bei Tottenham Hotspur litt der Neu-Berliner in Meisterschafts-Begegnungen an Ladehemmung. Die 89. Minute in der ausverkauften BayArena ließ diese Leidenszeit vor 22 500 Zuschauern zu Ende gehen. «Endlich habe ich mein Tor gemacht», meinte die Hertha-Leihgabe aus der Beatles-Stadt nach dem befreienden Treffer im vierten Erstliga-Einsatz für den UEFA-Cup-Teilnehmer. «Ich hoffe, dass bei ihm der Knoten geplatzt ist», kommentierte Hertha-Manager Dieter Hoeneß Woronins erlösenden Treffer, der den Berlinern im vierten Auswärtsspiel 2008/2009 bereits den dritten Sieg brachte - und Leverkusen die Tabellenführung kostete.
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«Das tut in jeder Hinsicht gut», sagte Hoeneß nach drei Pflichtspielen ohne Sieg. Seine Formel für den unerwarteten Erfolg war simpel: «Glück und Jaroslav Drobny.» An dem tschechischen Keeper bissen sich die Bayer-Angreifer die Zähne aus, Drobny selbst hielt sich nicht für überragend. «Das war nicht mein bestes Spiel», meinte der 28-Jährige, dessen Leistung maßgeblich dazu beitrug, dass sich die wankelmütigen Berliner in der Tabelle nach oben orientieren können. Hoeneß: «Natürlich hilft dieser Sieg, um die Dinge zu ordnen.» Hertha-Trainer Lucien Favre («Wir hatten heute einen Top- Goalie») kann beruhigt seinen Job tun. Die zweite Saison-Heimniederlage nach dem 2:3 gegen Dortmund machte den Tag für die ausgebremsten Bayer-Himmelsstürmer zu einem bitteren, wie Trainer Bruno Labbadia festhielt. «Wir tragen dieses Spiel jetzt 14 Tage mit uns herum», meinte der neue starke Mann unter dem Bayer-Kreuz und fürchtet um die psychische Stabilität seines Teams. «Das Gegentor war wie ein Schlag», kommentierte Spielführer Simon Rolfes, nachdem er und seine Kollegen fast im Dutzend an eigenem Unvermögen und Teufelskerl Drobny gescheitert waren. Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler bemühte nach dem Ende der Serie von drei gewonnenen Pflicht-Partien eine alte Fußballer- Weisheit, um das 0:1 plausibel zu machen: «So kann Fußball auch sein - dass man ein Spiel, das man eigentlich klar dominiert, durch eine einzige Aktion verliert.» Den Schuldigen hatte er schnell gefunden: «Sein erstes Tor hätte er nicht unbedingt gegen uns schießen müssen», sagte Völler über Woronin.
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