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Krisen-Wiesn: FC Bayern verschenkt 3:1-Vorsprung

München (dpa) - 05.10.2008, 15:22 Uhr

Der Einsatz von Münchens Trainer Jürgen Klinsmann half den Spielern auch nicht weiter.
Der Einsatz von Münchens Trainer Jürgen Klinsmann half den Spielern auch nicht weiter.

Beim Oktoberfestbesuch in brauner Lederhose und weißem Trachtenhemd zeigte sich Jürgen Klinsmann trotz der nächsten Pleite wieder mit fröhlicher Miene - Dampf hatte der Bayern-Trainer mit klaren Ansagen an die Mannschaft schon vor dem Weg ins Bierzelt abgelassen.

Nach dem 3:3 (2:1) gegen den VfL Bochum und einer «unruhigen» Nacht verspürte der tief enttäuschte 44-Jährige «auch eine gewisse Wut» und kündigte harte Wochen für die Profis des deutschen Fußball-Meisters FC Bayern München an. «Es wird mit Sicherheit ein bisschen Leben reinkommen», versprach der Trainer nach dem völlig verpatzten Saisonstart und dem dritten nicht gewonnenen Liga-Spiel nacheinander.

Eine härtere Gangart Klinsmanns, der «strikt» gegen den bei der 3:1-Führung gegen Bochum verspürten «Schuss Überheblichkeit» vorgehen will, ist auch notwendig. Schlechter als jetzt stand der FC Bayern nach sieben Spieltagen zuletzt vor 31 Jahren da - damals wurde Bayern am Saisonende nur Zwölfter. «Das bisherige Abschneiden nach sieben Bundesliga-Spieltagen ist einfach nicht zu akzeptieren», betonte Klinsmann, der nach knapp 100 Tagen Amtszeit beim Pfeifkonzert nach dem Schlusspfiff auch mit «Klinsmann raus»-Rufen aufgebrachter Anhänger bedacht worden war. «Das schmerzt natürlich», gestand Klinsmann, wenngleich er den Unmut verstand. «Die Verärgerung, die in uns und auch in den Fans steckt, werden wir der Mannschaft dementsprechend rüberbringen.»

Schon am Vorabend beim Verlassen der Allianz Arena hatte Klinsmann ein inneres «Brodeln» verspürt; das war auch dem einsilbigen Manager Uli Hoeneß und dem kurz angebundenen Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge deutlich anzumerken. Obwohl das Team nur in der unteren Tabellenhälfte platziert ist, glaubt der Vorstand aber weiter fest an das Glück in der bislang doch recht schwerfälligen Beziehung Klinsmann/FC Bayern. «Wir haben totale Geduld, wir haben totales Vertrauen zu Jürgen. Mehr kann ich dazu auch nicht sagen», sagte Rummenigge. Mehr sagte dagegen Klinsmann: «Es tut weh, aber ich bin von Natur aus ein Kämpfer. Ich weiß, wo im Moment die Probleme stecken», erklärte der Chefcoach und forderte erstmals öffentlich mehr von seinem Personal - allen voran von den Reservisten. «Jeder Spieler muss uns zeigen, dass er für den FC Bayern mit 100 Prozent Herz da ist.»

Klinsmann siegt nicht, Toni trifft nicht, die Defensive hält nicht. 21 Gegentreffer kassierten die Münchner in der gesamten Vorsaison, nun sind es schon nach sieben Spieltagen 13. «Dass man so viele Gegentore bekommt, darf nicht passieren», sagte Nationalspieler Bastian Schweinsteiger, der froh war, dem Trubel in die Länderspielpause entkommen zu können. Wenngleich zunächst nach dem Stimmungstöter Bochum mehr eine Krisen-Wiesn als ein launiger Oktoberfestbesuch auf dem Terminkalender stand. «Es ist nicht angenehm mit so einem Ergebnis auf das Oktoberfest zu gehen», sagte Klinsmann, der den von ihm zum Kapitän ernannten Mark van Bommel erneut auf die Bank verbannt hatte.


Der einzige Lichtblick im Münchner Spiel war der bereits 34- jährige Zé Roberto. Der Brasilianer schraubte nach Treffern von Daniel van Buyten (15.) und Sinan Kaloglu (29.) das Ergebnis mit seinem Doppelpack (45./68.) auf das scheinbar sichere 3:1 hoch. Dann nahm Klinsmann überraschend seinen besten Mann vom Platz und Bochum kam durch Christoph Dabrowski (84.) sowie Dennis Grote (85.) noch zum Punktgewinn. Vor allem der unglücklich agierende Luca Toni hatte zuvor eine vorzeitige Entscheidung verpasst.

Weitaus frustrierender als für den Torjäger ist die Situation für den demontierten van Bommel. «Es ist ein bisschen ungewöhnlich, wenn der Kapitän auf der Bank sitzt», sagte Schweinsteiger.

Die Bochumer verließen München nicht nur als moralischer Sieger und mit einem wohl verdienten Remis, sondern auch mit viel Selbstvertrauen. «Wenn man in München einen Punkt holt, ist das sehr gut. Zwar beginnt jedes Spiel von neuem, aber die Euphorie und den Willen werden wir mitnehmen», sagte Gäste-Trainer Marcel Koller. «Bayern hat alles hochklassige und erstklassige Spieler. Aber wenn Du als kleiner Verein Deine Hausaufgaben gut machst, dann ist ein Punkt drin oder auch mal ein Sieg.»

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