«World-Cup»-Willi Schulz wird 70
Hamburg (dpa) - 04.10.2008, 13:57 Uhr
Willi Schulz im April 2006 in Hamburg.
Seine Meinung hat Gewicht beim Hamburger SV - und nicht selten eckt er damit an: Willi Schulz, stellvertretender Aufsichtsrat des Fußball-Bundesligisten, ist unbequem und deshalb so unverzichtbar. «Er hat Ahnung von Fußball und sagt die Wahrheit - auch wenn manche das nicht gerne hören», sagt sein langjähriger Weggefährte Uwe Seeler. Schulz selbst sieht seine Position im Kontrollgremium als Auftrag: «Hätte ich damals nicht auf die Entlassung von Thomas Doll gedrängt, wären wir heute in der Zweiten Liga», sagt Schulz, der am 4. Oktober seinen 70. Geburtstag feiert. «Ich habe dann Huub Stevens empfohlen, der uns vom 18. auf den 4. Platz führte.» In Stevens-Nachfolger Martin Jol setzt Schulz große Hoffnungen: «Wir leben in einer Leistungsgesellschaft. Insofern wollen wir wieder mindestens Vierter werden.» Titel blieben Schulz in der eigenen Karriere verwehrt. «Das Schönste ist, dass ich nach 14 Jahren Profi-Fußball gesund rausgekommen bin», sagte der frühere Verteidiger, den die WM-Finalniederlage 1966 gegen England am meisten schmerzte: «Vor 100 000 Zuschauern und 500 Millionen am Fernseher willst Du gewinnen, ganz klar.»
Auf den Schiedsrichter-Assistenten Tofiq Bahramow aus Aserbaidschan, der den Engländern das Wembley-Tor zuschrieb, ist Schulz nicht gut zu sprechen: «Klare Fehlentscheidung. Aber wir waren charakterfest und sagten uns: Ein guter Zweiter ist besser als ein schlechter Erster.» Aus seiner sportlichen Zeit hat Schulz einige Freundschaften mitgenommen. «Mit den Kremers-Zwillingen und Rolf Rüssmann gehe ich öfters Golf spielen», sagt der Unternehmer mit Handicap 11,6. «Mit unseren Frauen gehen wir manchmal gemeinsam Essen», verrät Seeler, zu dem Schulz eine enge Verbindung hegt. Seeler schätzt «World-Cup-Willi» in allen Belangen: «Auf dem Platz hat er hinten für Ordnung gesorgt und ich hab's vorne versucht. Ich bewundere, wie er nach der Karriere beruflich seinen Weg gegangen ist. Im Leben ist er, wie er früher auch auf dem Feld war: fleißig», sagt Seeler anerkennend. «Insofern wünsche ich ihm zum Geburtstag nur Gesundheit - alles andere hat er sich selbst erarbeitet.» Schulz, der mit Versicherungen, Spielautomaten, Kneipen und Immobilien ausgesorgt hat, denkt nicht an Ruhestand: «Ich muss so viel arbeiten, weil ich eine teure Familie habe», scherzt der 66-fache Nationalspieler. Eine große Geburtstags-Sause wird es nicht geben: «Ich feiere so unauffällig wie möglich.» Derzeit weilt er auf einer Kreuzfahrt mit der MS Europa. «Ich bin Stammkunde. Seit 1974 bin ich einmal im Jahr dabei.» Ob er zum Bundesliga-Topspiel gegen seinen Ex-Club Schalke 04 am 19. Oktober wieder zurück sei? «Sicherlich. Den Urlaub habe ich ja so gelegt.» Stolz ist er, «für die beiden großen deutschen Clubs Schalke und Hamburg gespielt zu haben», für die er zwischen 1963 und 1973 insgesamt 263 Bundesliga-Spiele bestritt. Ist Bayern München denn kein großer Verein? «Als Westfale steht man eher zu kühlen Hanseaten», lautet seine Antwort.
|