Rangnick: «Einmal war das so: Beim VfB Stuttgart herrschten gewisse Dissonanzen. Wenn ich an Schalke denke - das war eine sehr erfahrene Mannschaft und da gab es eigentlich nie Probleme. Und wenn es mal eines gab mit Ailton, okay, die hat ja jeder Trainer mit ihm. Fakt ist auch, dass es für Ailton die letzte Station überhaupt war, wo er noch so was wie sportlichen Erfolg vorweisen konnte. Grundsätzlich glaube ich, dass jeder Trainer gerne mit jungen Spielern arbeitet, weil die sich deutlich schneller entwickeln.» Wann wird es den ersten deutschen Nationalspieler aus Hoffenheim geben? Bereits zur Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika? Rangnick: «Warum nicht? Es heißt immer, es gebe keine guten deutschen Innenverteidiger. Wenn der DFB aufmerksam scoutet, dann wird man auch mal auf Marvin Compper stoßen. Zehn Bessere wie den gibt es in Deutschland nicht, da lege ich mich jetzt mal fest. Aber wir haben viele potenzielle Kandidaten. Wichtig ist erstmal, dass das richtig gute Bundesligaspieler werden und da sind sie auf einem guten Weg.» Was halten sie von dem Vorwurf, dass Hoffenheim Talente klaue? Rangnick: «Nachweislich stimmt es nicht, dass wir sie mit finanziellen Mitteln zu uns locken. Richtig ist, dass wir uns nach Spielern umsehen. Aber das ist völlig normal, das machen alle anderen auch. Als ich Trainer in Ulm war, haben die Stuttgarter jedes Jahr versucht, ein paar der besten Spieler zu holen - auch Mario Gomez war einer von denen, die dorthin gewechselt sind.» In England sorgt Manchester City mit einer ganz anderen Philosophie für Aufsehen. Die neuen Besitzer sind offenbar bereit, dreistellige Millionenbeträge für Spieler auszugeben. Wie stehen Sie dazu? Rangnick: «Ich glaube, dass das niemand gut findet. Vielleicht bin ich da immer noch zu sehr Traditionalist, aber für mich funktioniert Fußball so: Wenn ich einen Spieler haben möchte, dann hat der für mich einen fiktiven Marktpreis. Und das darf er dann kosten, mehr nicht. Alles andere ist fiktives Monopoly - und das ist sicher nicht gut für den Fußball, wenn irgendein Scheich kommt und 165 Millionen für Christiano Ronaldo zahlen will.» Im nächsten Jahr sind Sie - mit Unterbrechungen - seit zehn Jahren in der Bundesliga dabei, haben aber noch keinen Titel gewonnen. Spielt das eine Rolle für Sie? Rangnick: «Nein. Vieles, was passiert ist, ist mir soviel Wert wie eine deutsche Meisterschaft: also mit dieser jungen Mannschaft in Hoffenheim in zwei Jahren zweimal aufzusteigen oder mit Hannover so überlegen Meister in der 2. Liga zu werden. Aber ich habe nichts dagegen, wenn es mal einen Titel gibt. Ob das aber mit Hoffenheim in den nächsten zwei Jahren realistisch ist, das glaube ich eher nicht.» Sie haben zuletzt für den Fußball ungewöhnliche Trainingsmethoden angewendet. Ihre Spieler mussten boxen und fechten. Ging es da nur um die Stärkung der Beinarbeit oder um mehr? Rangnick: «Nein, auch um den Kopf. Wir versuchen unseren Spielern im mentalen Bereich Dinge an die Hand zu geben, damit der Kopf den Beinen hilft und nicht im Weg steht. Und die Spieler sollten merken, wie in anderen Sportarten gearbeitet wird. In der Mannschaft soll nicht das Gefühl aufkommen, wir trainieren zu viel oder zu hart.» Interview: Tobias Goerke, dpa
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