Hoffenheim genießt Höhenluft
Cottbus (dpa) - 17.08.2008, 14:05 Uhr
Die Hoffenheimer Spieler feiern den Sieg bei Energie Cottbus.
Nach dem gelungenen Debüt und dem überraschenden Sturm an die Tabellenspitze der deutschen Eliteliga machte sich beim «Dorfclub» 1899 Hoffenheim viel Stolz, aber auch eine Menge Ärger breit. Chefcoach Ralf Rangnick, der 32 Monate nach seinem Abschied vom FC Schalke 04 mit dem verdienten 3:0 seiner TSG bei Energie Cottbus wieder einen Erstliga-Sieg feiern konnte, fühlte sich und seinen Club einmal mehr in eine unberechtigte Geld- und Neid-Debatte verwickelt. «Unser Etat ist genauso groß wie der von Cottbus», verkündete der Hoffenheim-Coach und reagierte damit unaufgefordert auf Berichte in Lausitzer Medien, die vor dem ersten Duell der neuen Saison in der Fußball-Bundesliga größere wirtschaftliche Vorteile für den Aufsteiger herausgestellt hatten. «Das ist immer wieder schade», bemerkte Rangnick. Einige hätten wohl noch nicht so richtig registriert, dass es sich in Hoffenheim um eine «in Deutschland einmalige Sache handelt». Unbestritten hat Mäzen Dietmar Hopp, der gerade für 60 Millionen Euro in Sinsheim eine erstligataugliche Arena bauen lässt, großen Anteil am ungewöhnlichen Weg von 1899. Doch das sei eben nur ein Teil der Wahrheit, unterstrichen die TSG-Verantwortlichen nach den Toren von Vedad Ibisevic (16., 76. Minute) und Demba Ba (54.). TSG-Abwehrspieler Per Nilsson zog sich nicht den befürchteten Bruch des Augenbogens am rechten Auge zu. Wie der Club mitteilte, ergab eine genaue Untersuchung in Heidelberg eine schwere Prellung. Bei gutem Heilungsverlauf ist ein Mitwirken des 25-Jährigen im ersten Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach denkbar.
Seit Jahren arbeitet man in Hoffenheim mit Fachkräften wie Sportdirektor Bernhard Peters, Sportpsychologe Hans-Dieter Hermann und eben Rangnick an der Umsetzung einer Philosophie vom modernen Fußball. Kürzlich gab es mit dem deutschen Meistertitel für die B-Jugend eine weitere Bestätigung für das Modell Hopp, das weit über den Profifußball hinaus geht. «Wir wollen die Bundesliga bereichern», betonte Rangnick. Im Premierenspiel gelang das auf Anhieb: Das im Durchschnitt nur 23 Jahre alte Team gab den erfahrenen Cottbusern (Schnitt 28,7) vor 18 370 Fans gleich eine fußballerische Lehrstunde. «Wir haben hochkonzentriert gespielt, als Team gearbeitet und die taktischen Vorgaben erfüllt», sagte Abwehrmann Marvin Compper, der zu den wenigen TSG-Akteuren mit Bundesliga-Erfahrung gehört. Dass sich die Hoffenheimer eine Auswahl von Stars zusammengekauft haben, kann man trotz des jüngsten Einkaufs von Wellington (4,5 Mio/verletzt) nicht behaupten: Den Brasilianer sowie seine 21-jährigen Landsleute Carlos Eduardo und Luiz Gustavo kannte bis dato kaum jemand. |