Olympia-Abstellung: FIFA signalisiert Kooperation
Peking (dpa) - 07.08.2008, 13:30 Uhr
FIFA-Präsident Joseph Blatter bei einer Pressekonferenz in Peking.
Obwohl gleich sechs Bundesliga-Profis mit ihren Mannschaften ins olympische Fußball-Turnier gestartet sind, haben die Clubs keine «abschließenden Reaktionen» auf ihre Forderungen gegenüber den jeweiligen Landesverbänden. «Es gibt keinen aktuellen Stand», erklärte Hertha-Manager Dieter Hoeneß. Das betrifft vor allem die Haltung der nationalen Verbände. Der Weltverband FIFA habe dagegen bei der Umsetzung der Forderungen Kooperation signalisiert, erklärte Werder-Manager Klaus Allofs: «Während wir vom brasilianischen Verband noch nichts gehört haben, kamen positive Signale von der FIFA.» Hoeneß bestätigte die Forderung der Clubs nach dem Spruch des Internationalen Sportgerichtshofs CAS, der im Streit um die Olympia-Abstellungspflicht zugunsten der Clubs entschieden hatte: Abstell-Gebühren wie bei der EM in diesem Jahr, die Übernahme des Gehalts während der Zeit bei der Olympia-Mannschaft und ein ausreichender Versicherungsschutz. «Es geht uns vor allem darum, dass für den Fall einer Verletzung Diegos ein finanzieller Schaden von Werder Bremen abgewendet wird», bestätigte auch Allofs.
Bei der EM 2008 hatte der europäische Fußball-Verband UEFA für die Clubs 43,5 Millionen Euro veranschlagt, etwa 4000 Euro pro Spieler und Tag. Der Weltverband FIFA rechnet für die WM-Turniere 2010 und 2014 mit Zahlungen von 75 Millionen Euro oder 5000 Euro pro Spieler und Tag. Dass darüber hinaus die nationalen Verbände erstmals die Gehälter der Spieler während der Zeit der Olympischen Spiele übernehmen sollen, resultiere aus dem CAS-Urteil, machte Hoeneß klar: «Entgegen der EM und WM gibt es jetzt ja keine Abstellpflicht.» In den ersten Spielen des Olympia-Turniers standen mit den Brasilianern Breno (FC Bayern), Diego (Werder Bremen) und Rafinha (Schalke 04) und dem Belgier Vincent Kompany vier Spieler in der Startelf ihrer Teams. Auf der Bank saßen zunächst die beiden Serben Dusko Tosic und Gojko Kacar. |
FIFA-Präsident Joseph Blatter hat sich als schlechter Verlierer erwiesen und nach der CAS-Entscheidung mächtig vom Leder gezogen. «Das ist sehr traurig und die Welt versteht das nicht. Wenn alle Nationalteams ihre Spieler verlieren, wenn die Clubs sie zwingen, heimzufliegen, dann haben wir hier schlichtweg kein olympisches Fußballturnier. Dann können wir auch Strandfußball oder Fünf gegen Fünf spielen», sagte der Präsident des Fußball-Weltverbandes FIFA. Dabei hatte Blatter zuvor noch angekündigt, man müsse das Urteil respektieren. Jacques Rogge forderte als Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) die Vereine auf, ihre Profis in Peking zu lassen: «Bitte wahren sie den olympischen Waffenstillstand für dieses olympische Turnier», sagte der Belgier. «Ich habe geschluckt, als ich die Entscheidung gehört habe. Es ist eine ziemlich dramatische Entscheidung», meinte Blatter. Der ansonsten allgegenwärtige Schweizer hatte es jedoch versäumt, frühzeitig für klare Verhältnisse zu sorgen und deshalb den wochenlangen Wirbel mit ausgelöst. Nun fürchtet Blatter einen «Schneeballeffekt», wenn einige Clubs ihre Spieler zurückfordern: «Ist das die olympische Solidarität?» Der FIFA-Chef rechnet zudem damit, das die Vereine einen finanziellen Ausgleich dafür wollen, dass ihre Spieler in Peking antreten. Rogge versprach, dass es nach den Sommerspielen eine Bestandsaufnahme geben werde, wo die Problematik noch einmal auf den Tisch kommt: «Wir werden dann entscheiden, welche Maßnahmen wir treffen. In der Zwischenzeit müssen wir das in kurzer Zeit regeln und an die Clubs appellieren, ihre Spieler nicht abzuziehen und ihren Profis die Chance geben, ihre Träume wahr werden zu lassen.»
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