DFL und DFB kritisieren Kartellamt
Hannover (dpa) - 20.07.2008, 13:55 Uhr
Theo Zwanziger posiert für die Kamera.
Die Sorge um Millionen-Verluste bei der TV-Vermarktung treibt die Deutsche Fußball Liga (DFL) und den Deutschen Fußball-Bund (DFB) zum Schulterschluss gegen das Bundeskartellamt. Beide Dachverbände übten scharfe Kritik an den Wettbewerbshütern, die weiterhin eine Zusammenfassung der Bundesliga-Spiele am Samstag vor 20.00 Uhr im frei empfangbaren Fernsehen (Free-TV) fordern. Der Sechsjahresvertrag der DFL mit der Kirch-Tochter Sirius mit einem Gesamtvolumen von drei Milliarden Euro droht deshalb zu scheitern. Die Gespräche sollen dennoch in dieser Woche fortgesetzt werden. «Sollte die Forderung des Kartellamtes umgesetzt werden müssen, würde das nicht nur dem neuen TV-Modell die Grundlage entziehen, die nationale TV-Vermarktung wäre schwieriger denn je», betonte DFL- Vorstand Christian Seifert in der «Bild-Zeitung». Auch der DFB, der vom Milliarden-Vertrag mit Kirch jährlich drei Millionen Euro zusätzlich erwartet, schloss sich der Kritik an. «Das Kartellamt gefährdet die internationale Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Fußballs, nicht nur bei den Clubs, sondern auch bei unseren Nationalmannschaften», sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger der «Süddeutschen Zeitung» (Online-Ausgabe).
Die Firma Sirius hat der Liga für die Spielzeiten 2009/2010 bis 2014/2015 im Schnitt 500 Millionen Euro garantiert. Der Vertrag basiert auf der Zentralvermarktung. Sie wird seit zehn Monaten vom Kartellamt geprüft. Die Bonner Behörde will die zentrale Vermarktung der TV-Rechte nur genehmigen, wenn eine «angemessene Beteiligung des Verbrauchers» gewährleistet ist. Dies wäre dann der Fall, wenn der Fußballfan Samstags wie bisher in der ARD-Sportschau (Beginn 18.30 Uhr) die Bundesliga-Zusammenfassung vor 20.00 Uhr im Free TV sehen könnte. Dafür würden neben den öffentlich-rechtlichen Sendern ARD und ZDF auch private Sender wie RTL oder Sat.1 in Frage kommen. Für die DFL und ihren Partner Sirius ist diese Position dennoch eine Art Bestandsgarantie für die ARD-Sportschau. Ein Bieter- Wettbewerb konkurrierender TV-Sender und anderer Firmen, der mehr Erlöse als bisher einbringen würde, sei damit fast unmöglich. In dieser Saison erlöst die DFL durch den Verkauf der Bundesliga-Rechte insgesamt rund 440 Millionen Euro. Das meiste Geld zahlen dabei der Pay TV-Sender Premiere (rund 240 Millionen Euro) und die ARD (knapp 100 Millionen Euro). |