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Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Bayern-Spieler

Hamburg (dpa) - 15.10.2004, 12:45 Uhr

Der Osnabrücker Alexander Nouri gegen den Münchner Jens Jeremies (l).
Der Osnabrücker Alexander Nouri gegen den Münchner Jens Jeremies (l).

Die Staatsanwaltschaft Hamburg ermittelt gegen drei Profis von Fußball-Rekordmeister Bayern München. Jens Jeremies, Hasan Salihamidzic und Tomas Linke sollen gegen das Wertpapierhandelsgesetz verstoßen haben.

Der Vorwurf richtet sich auch gegen den früheren HSV-Spieler Jörg Albertz und Spielerberater Jürgen Milewski. «Wir ermitteln wegen unerlaubten Insiderhandels», sagte Oberstaatsanwalt Rüdiger Bagger. Die Wohnungen der Beschuldigten sind bereits durchsucht worden.

Die Profis und Milewski sollen im Dezember vergangenen Jahres zwischen 3000 und 25 000 Aktien des Hamburger Internet-Dienstleisters SinnerSchrader gekauft haben, die am Abend desselben Tages durch eine Sonderausschüttung eine Dividende von 1,90 Euro pro Aktie erbracht hatten. «Damit haben sie über 80 Prozent Gewinn gemacht», sagte Bagger. Das Wertpapierhandelsgesetz stellt auch Nutznießer von Insidergeschäften unter Strafe. Sollte den Beschuldigten ein Rechtsverstoß nachgewiesen werden, müssen sie mit einer Geldstrafe rechnen. In schweren Fällen wird gar Haft bis zu fünf Jahren ausgesprochen.

«Mein Mandant kannte und kennt keinen Insider der Firma oder aus deren Umfeld», sagte Rechtsanwalt Wolfgang Klein, der Milewski vertritt. «Deshalb kann er auch gegen nichts verstoßen haben.» Informationen «von dritter, vierter oder fünfter Seite» über florierende Unternehmen an der Börse erfüllten keinen strafrechtlichen Tatbestand.

Dass Mileweski und vier Spieler gleichzeitig Aktien des Hamburger Unternehmens kauften, hält Klein nicht für ungewöhnlich. «Sie unterhalten sich häufig über Wertpapiere und kaufen auch häufig gemeinsam. Sie haben allerdings auch schon manches Mal Geld verloren», erklärte der frühere Präsident der Hamburger SV. Milewski ist als Berater von Salihamidzic und Jeremies tätig. «Von mir gibt es dazu keinen Kommentar», sagte der frühere HSV-Profi. Auch die Bayern- Spieler wollten sich zu dem Thema nicht äußern. «Wir werden die Ermittlungen nicht behindern, sondern unterstützen», ließen die Profis mitteilen. Der FC Bayern bezeichnete die Angelegenheit als «Privatsache der Spieler» und wolle deshalb nicht tätig werden.


Die Staatsanwaltschaft sieht es nicht als zwingend notwendig an, den Tipp-Geber, der in der Unternehmsspitze von SinnerSchrader vermutet wird, zu überführen. «Für einen Anfangsverdacht und ein entsprechendes Ermittlungsverfahren reichen die Anzeichen aus», sagte Bagger. Die Spieler sollen in mehreren Tranchen nahezu im Stundentakt Aktien der Internet-Firma zu einem Kurs zwischen 2,20 und 2,35 Euro bis kurz vor Bekanntgabe der Sonderausschüttung gekauft haben. Das war der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) aufgefallen, die daraufhin die Staatsanwaltschaft einschaltete.

Milewski-Anwalt Klein sieht in der Tatsache, dass maximal 45 000 Aktien von einem der Beschuldigten erworben wurden, ein entlastendes Argument. «Mit Insiderwissen hätten sie richtig zugeschlagen und anständig Geld verdient. Das sind doch vergleichsweise lächerliche Beträge», meinte Klein.

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