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Bayern-Party beendet Ära von Kahn und Hitzfeld

München (dpa) - 16.05.2008, 13:54 Uhr

Ottmar Hitzfeld (r) und Oliver Kahn sind das letzte Mal für die Bayern im Einsatz.
Ottmar Hitzfeld (r) und Oliver Kahn sind das letzte Mal für die Bayern im Einsatz.

Meisterschale, Autokorso, Rathausbalkon: Mit einer rauschenden Party in rot-weiß und 13 000 Litern Freibier will der FC Bayern München gegen Hertha BSC noch einmal ausgiebig seinen 21. deutschen Meistertitel feiern.

Zum Ende der Ära Oliver Kahn/Ottmar Hitzfeld soll aber nicht nur eine Riesenfete steigen, sondern auch noch ein weiterer Rekord aufgestellt werden; wenngleich ausgerechnet die Rekordjagd Kahn um eine entspannte Abschieds-Gala bringt. «Das Einzige, was mich stört, ist dieser Rekord. Schon wieder dieser Druck», sagte der Mann mit der «Immer weiter, immer weiter»- Mentalität über die 20 Jahre alte Gegentor-Bestmarke (22 Tore) von Werder Bremen, die es noch zu knacken gilt.

Auf dem Platz sollen Kahn & Co., die bislang 20 Gegentreffer kassierten und für die Bestmarke nur noch einen weiteren bekommen dürften, für Sieg und Rekord sorgen. Abseits des Rasens wird von Fans und Verein alles für eine stimmungsvolle Feier getan. Die 69 000 Zuschauer sollen in rot gekleidet in die Allianz Arena kommen, vor dem natürlich ausverkauften Stadion werden 70 000 rot-weiße Meisterschaftsfahnen verteilt und die Übergabe der Meisterschale durch 74er Weltmeister «Katsche» Schwarzenbeck wird mit 21 Böllerschüssen eingeleitet. Spätestens hier oder auf der Ehrenrunde dürfte dann auch die eine oder andere Träne fließen. «Wäre nicht so schlecht. Nach 20 Jahren hat man sich eigentlich mal Tränen verdient», wünscht sich Kahn gar feuchte Augen, Mathematiker Hitzfeld lässt sich überraschen: «Ich bin da unberechenbar.»

Während sich der 21-malige Saisontorschütze Luca Toni auf Anhieb die Torjägerkrone sichern will, möchte Kahn in seinem 557. Bundesliga-Spiel seinen 308. Sieg; den 205. ohne Gegentor. «Olli ist eine lebende Legende», lobte Hitzfeld. Und auch Kahn, der keinen Extra-Beifall durch eine Auswechslung möchte, sondern lieber bis zum Schlusspfiff auf dem Rasen bleiben mag, sieht den gemeinsamen Abtritt als «etwas Außergewöhnliches» an: «Uns beide verbinden große Erfolge, große Niederlagen, große Momente, schwere Stunden. Das wir zusammen aufhören, ist etwas sehr Schönes.»

Das vom Trainer zur «Schicksalsgemeinschaft» erkorene Duett will das Double noch einmal auskosten. «Ich freue mich auf ein schönes Fußballfest. Das werden noch einmal bewegende Momente für mich», sagte der Bayern-Coach. Der 13,5 Kilometer lange Autokorso vom Stadion zum Marienplatz, wo Kahn ein letztes Mal mit der Schale in den Händen «Hier ist das Ding» in die feiernde Menge ruft, wird nach dem Spiel für Hitzfeld und Kahn ohnehin zu einer einzigen Triumphfahrt - vorausgesetzt das Wetter spielt mit.


Aber nicht nur Hitzfeld, der seine Rekordmarke als Tabellenführer auf 199 hochschraubt, und Kahn werden verabschiedet, auch die Zeiten der Torwarttrainer Sepp Maier nach fast einem halben Jahrhundert beim FC Bayern («Irgendwann ist Schluss, aber es war keine Arbeit, sondern Spaß»), von Keeper-«Oldie» Bernd Dreher, Co- Trainer Michael Henke oder von Ex-Nationalspieler Jan Schlaudraff sind vorbei.

90 Minuten Hoffnung bleiben Kahn noch für die Erfüllung seines ungestillten Tor-Wunsches. Sollte es einen Elfmeter geben, dürften die Zuschauer «Olli, Olli» rufen und ihn als Schützen fordern. Dabei mag Kahn, der im Training sogar auch Freistöße übte, Elfmeter eigentlich nicht. Denn mit seinem einzigen Versuch scheiterte er: Am 23. Februar 2002 trat er beim 6:0-Schützenfest gegen Energie Cottbus in der Schlussminute an - und Energie-Keeper Tomislav Piplica hielt. Jetzt würde er es wohl wieder versuchen: Die Ecke hat er sich jedenfalls schon ausgesucht.

Auch ohne die Teilnahme an der lukrativen Champions League hat der FC Bayern München bei seinen Einnahmen eine neue Schwelle überschritten. Dass es einen Umsatzrekord geben werde, hatte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge bereits angekündigt, Manager Uli Hoeneß bezifferte den Betrag in der «WirtschaftsWoche» nun auf mehr als 250 Millionen Euro. Trotz hoher Millionen-Ausgaben für neue Stars wie Luca Toni oder Franck Ribéry erwartet der FC Bayern zudem erneut schwarze Zahlen. Laut Hoeneß gibt es ein «deutlich positives Ergebnis». In der Saison 2006/07 hatte der Bundesliga-Krösus einen Rekordumsatz von 225,8 Millionen Euro erzielt. Der operative Gewinn belief sich auf 53,5 Millionen Euro, nach Steuern wurden 18,9 Millionen Euro ausgewiesen.

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