Verunsicherung statt Vorfreude beim BVB
Dortmund (dpa) - 17.04.2008, 11:42 Uhr
Die BVB-Spieler Valdez, Kovac und Kehl (v.l.) nach der Pleite gegen Hannover.
Als die heimischen Fans lange vor dem Schlusspfiff in Scharen aus dem Stadion flüchteten, mussten sie die Schadenfreude des gegnerischen Anhangs ertragen. «Berlin, Berlin - was wollt ihr in Berlin?», schallte es von der Nordtribüne der ansonsten ungewohnt stillen Arena. Der abermals desaströse Auftritt ihres Teams beim 1:3 (0:2) gegen Hannover 96 und die hämischen Sprechchöre der Gäste nahmen den Zuschauern von Borussia Dortmund den letzten Rest Vorfreude auf das Pokalfinale. Stattdessen überwog die Angst vor einer peinlichen Blamage auf großer Bühne. «Wir sind wie ein Boxer, der zwei Geraden mitten auf das Auge bekommen hat und nun am Boden liegt», bekannte Angreifer Alexander Frei. Selten ist eine Mannschaft unter schlechteren Vorzeichen zum Endspiel nach Berlin gereist als die Borussia. Ausgerechnet vor ihrem wichtigsten Spiel seit Jahren wurde sie zum Gespött der Fußball-Nation. Wie schon beim 0:5 gegen Finalgegner FC Bayern München bot das Team von Trainer Thomas Doll auch gegen Hannover eine Vorstellung jenseits der Schmerzgrenze. Mit Scherzen, dass die Mannschaft besser im Frauen-Finale antreten solle, trösteten sich einige Fans über die bedenkliche Generalprobe hinweg. Doll hofft auf ein Ende der Leidenszeit: «Wir haben zweimal richtig auf die Mütze gekriegt, damit ist es nun genug.»
Ohne die Erfolgsstory im Pokalwettbewerb hätte sich der Frust der schwarz-gelben Fans nach den Gegentoren von Arnold Bruggink (37.), Frank Fahrenhorst (42.) und Szabolcs Huszti (78.) wohl in Protesten gegen Doll entladen. Langsam aber sicher ist ihre Geduld aufgebraucht. Die allwöchentliche Neuordnung der Mannschaft erinnert mehr an eine Patchwork-Arbeit als an ein durchgängiges Konzept. Zum sage und schreibe 19. Mal lief in dieser Saison eine veränderte Viererkette auf. Das mag ein Grund dafür sein, warum der BVB mit nunmehr 53 Gegentoren zur Schießbude der Liga avanciert ist. Noch hält sich die Vereinsführung zurück mit kritischen Kommentaren über den Fußball-Lehrer, dessen Vertrag erst im Januar um zwei Jahre verlängert wurde. Im Falle einer ähnlichen Vorstellung beim Showdown im Berliner Olympiastadion vor einem Millionenpublikum an den TV-Geräten könnte sich das schnell ändern. Für die aufkommende Diskussion brachte der zurzeit ebenfalls formschwache Torjäger Mladen Petric jedoch nur wenig Verständnis auf. Die Frage nach der Zukunft von Doll beantwortete er mit einer Gegenfrage: «Wie viele Trainer waren in den letzten Jahren hier? Geändert hat sich wenig.» |