Heinen mit irrem Comeback für Bielefeld: «Wahnsinn»
Hannover (dpa) - 16.03.2008, 11:21 Uhr
Dirk Heinen ersetzt Rowen Fernandez (l) im Tor von Bielefeld.
Der Notruf von Arminia Bielefeld hatte den Schafzüchter Dirk Heinen beim Fliesen der Küche in seiner Wahlheimat Irland erreicht - 48 Stunden später feierte der 37-Jährige eines der kuriosesten Comebacks der Bundesliga-Geschichte. «Er war vorgestern noch bei seiner Schafherde in Irland. Und dafür hat er es Weltklasse gemacht. Er war von Null auf Hundert voll da», lobte Arminen-Coach Michael Frontzeck seinen Ersatz-Ersatztorhüter nach dem 2:2 (2:1) bei Hannover 96. Dieser ließ sich die Laune nach 715-tägiger Spielpause auch von Bielefelds erstmaligem Abrutschen auf einen Abstiegsplatz nicht verderben: «Wahnsinn, ich bin voller Freude. Ich hatte im letzten Sommer mit meiner Karriere aufgehört.» Mit Paraden gegen Hanno Balitsch, Arnold Bruggink und Jiri Stajner wurde Heinen gegen die Hannoveraner in deren 666. Bundesligaspiel zum Teufelskerl. «Profi-Fußball vergisst man nicht», lautete seine lapidare Erklärung für den Gala-Auftritt. Sein Gegenüber Robert Enke, der bei den Arminen-Toren durch Andre Mijatovic (14.) und Christian Eigler (38.) machtlos war, zollte Heinen Respekt: «Ich habe ihm schon gratuliert. Der hat nicht geschludert und war topfit.» Ob Heinen auch gegen Werder Bremen im Kasten steht, ist ungewiss. Fernandez habe nichts gebrochen und könne trotz einer Prellung eventuell wieder ins Training einsteigen, teilte Arminia nach einer Untersuchung mit.
Nur vom eingewechselten Stajner (56.) wurde der Wahl-Ire in Bielefelds 500. Erstligaspiel bezwungen. Den ersten Gegentreffer durch Bruggink (16.) hatte Rowen Fernandez, der den verletzten Stammkeeper Mathias Hain vertrat, hinnehmen müssen. Sechs Minuten später musste der Südafrikaner wegen einer Ellbogenblessur selbst das Tor räumen - und ermöglichte so Heinens märchenhafte Rückkehr. «Mein Motto lautet: Mit Gott ist alles möglich. Es war toll, das heute zu spüren», verwies der praktizierende Christ Heinen auf höhere Mächte. Dabei sah es lange Zeit nicht danach aus, als ob er seinen 157 Erstligaspielen weitere folgen lassen würde. Der Ex-Stuttgarter hatte im Sommer die Torwart-Handschuhe beiseitegelegt und sich mit Ehefrau Sandra und den beiden Kindern sein «Traumleben» als Schafhirte auf der Grünen Insel eingerichtet. Bis der Hilferuf der Arminia kam, die sich nach einer Verletzung von Fernandez im Winter Heinens Dienste als Standby-Profi gesichert hatte. «Ich war gerade dabei, die Küche zu fliesen, als der Anruf kam», sagte Heinen, der zuletzt einen ganz besonderen Trainingspartner hatte: «Ich habe mich mit meinem Sohn im Garten vorbereitet. Einfach Tore aufbauen und los geht's.» |