Hitzfeld: Harte Hand nach Hilflos-Pleite
Cottbus/München (dpa) - 16.03.2008, 14:11 Uhr
Bayern-Manager Uli Hoeneß nach der Auswärtsniederlage in Cottbus.
Am Ende wollten alle Bayern nur noch schnell weg von der Stätte der Blamage - Ottmar Hitzfeld aber wird seine überheblichen Profis die Pleite von Cottbus noch lange spüren lassen. «Ich werde keine Zugeständnisse mehr machen und knallhart nach Leistung aufstellen», kündigte der scheidende Cheftrainer für die letzten Wochen seiner Amtszeit ein überaus raues Arbeitsklima beim Rekord-Champion an. «Einige Spieler haben wohl gedacht, es läuft von allein und es wird ein Spaziergang zur deutschen Meisterschaft», kritisierte Hitzfeld nach dem sensationellen 2:0 (2:0)-Sieg der Cottbuser Kellerkinder gegen die Münchner Spitzenreiter, der den Bayern-Jägern in der Fußball-Bundesliga wieder Mut macht. Der Vorsprung ist mit der zweiten Liga-Niederlage plötzlich geschmolzen. «Spätestens jetzt wissen wir, dass wir noch nicht deutscher Meister sind», wetterte Hitzfeld, für den der Wohlfühl-Faktor seiner Profis ab sofort nicht mehr zählt. «Es wird keine Geschenke geben.» Schon im DFB-Pokal gegen Wolfsburg könnten einige der Cottbus-Versager auf der Bank landen, wenngleich Miroslav Klose seinem Chef versprach: «Es war eine Lehre für uns, wir werden die Schlüsse daraus ziehen.»
Doch für Hitzfeld zählen keine Lippenbekenntnisse, mit harter Hand wird er nach der zweiten Pleite in Serie durchgreifen. Schon mit der Suspendierung von Martin Demichelis, der nur noch auf seiner Lieblingsposition in der Innenverteidigung spielen wollte, hatte Hitzfeld bereits vor dem 0:2 ein deutliches Zeichen gesetzt. Der Knall in der Lausitz, den «China-Böller» Branko Jelic am 24. Spieltag mit seinem Tore-Doppelpack für den FC Energie ausgelöst hatte, war für den 59-jährigen Trainer ein Schuss vor den Bug zu viel. «Es ist schon möglich, dass einige Spieler begonnen haben zu träumen», bemerkte Hitzfeld, der am Sonntag in der Mannschaftssitzung «ruhig und sachlich» (Klose) den Energie-Ausfall des Teams analysiert hatte. Drei Tage nach dem 1:2 der «zweiten» Bayern-Mannschaft im UEFA-Cup ließ auch die von Hitzfeld wieder nominierte erste Elf vor 22 743 Zuschauern im erstmals in dieser Saison ausverkauften Stadion der Freundschaft über weite Strecken Biss, Leidenschaft und Motivation vermissen. «Das war nicht das, was Bayern bringen kann», wunderte sich Ervin Skela, der mit einer Super-Vorbereitung des ersten Jelic-Tores die Feier der kämpferisch klar überlegenen Gastgeber eingeleitet hatte. «Wir haben auch etwas mit 'ü' gehabt - Überheblichkeit», beschwerte sich Oliver Kahn nach seinem 550. Bundesligaspiel über die Einstellung seiner Kollegen. Man glaubt es kaum: Der Keeper verhinderte sogar eine noch höhere Hilflos-Pleite. |