Energie kontra Bayern: 10. Kampf der Extreme
Cottbus (dpa) - 14.03.2008, 16:44 Uhr
Beim 5:0-Hinspielsieg traf Miroslav Klose (r) für Bayern - trotz der Gegenwehr von Igor Mitreski.
Größer können die Extreme in der Bundesliga nicht sein als im Duell FC Energie gegen FC Bayern. Außer dem «FC» im Namen finden sich beim Underdog aus Cottbus und beim Münchner Spitzenclub so gut wie keine Gemeinsamkeiten. Vor dem zehnten Aufeinandertreffen in der Beletage des deutschen Fußballs stehen die Bayern in der Tabelle unangefochten ganz oben, Energie ganz unten. Während der Rekordmeister aus der vergangenen Spielzeit einen Rekordumsatz von 225,8 Millionen und einen Gewinn von 18,9 Millionen Euro vermeldete, kalkuliert der Abstiegskandidat die neue Saison gerade mal mit einem Gesamtetat von 23 Millionen - falls es in der 1. Liga weitergeht. Bei Abstieg sind es nur 15 Millionen Euro. Zehn Millionen mehr hat Bayern allein für Superstar Franck Ribéry an Olympique Marseille überwiesen. Nie waren die Unterschiede in der Bundesliga zwischen Klein und Groß so extrem wie derzeit: Die Bayern leisteten sich in dieser Saison rund 80 Millionen Euro für die personelle Verstärkung ihres internationalen Luxus-Kaders, Energie gab ganze 3,3 Millionen Euro für seine neue «Osteuropa-Auswahl» aus. Die konnte im Jahr 2008 noch nicht einmal gewinnen, der Branchenführer kassierte in der laufenden Liga-Spielzeit überhaupt erst eine Niederlage. In der Allianz Arena waren bisher alle Saison-Heimspiele mit 69 000 Fans ausverkauft - ins Stadion der Freundschaft kamen im Schnitt 14 000 Zuschauer - auch in dieser Wertung stehen die Lausitzer am Tabellenende. Am Samstag ist die «Bude» mit 22 743 Fans 2007/08 erstmals voll. Energie kann sich auf 1400 Mitglieder stützen, Bayern auf mehr als 130 000.
Auch angesichts dieser Fakten bemerkte Energie-Manager Steffen Heidrich: «Die Tendenz ist deutlich: Die Kleinen können gegen die Großen nicht mehr gewinnen.» In der Tat gelang den vier Teams aus dem Tabellenkeller gegen das Spitzen-Quartett in dieser Saison noch kein einziger «Dreier». Die Zeiten der großen Überraschungen scheinen vorbei. In der ersten Bundesliga-Saison hatte Cottbus im Jahr 2000 zu Hause den FC Bayern durch ein Tor des Ungarn Vilmos Sebök mit 1:0 bezwungen - danach setzte es acht Niederlagen bei 2:26 Toren. Energie-Trainer Bojan Prasnikar will in seinem ersten Duell gegen die Bayern all die Extreme vom Tisch wischen, auch wenn Kollege Ottmar Hitzfeld nach dem 1:2 seiner Mannschaft im UEFA-Cup gegen Anderlecht wieder seine besten Profis in die Startelf rotieren lassen wird. «Wir haben keine Angst und gehen nicht mit einer Beton-Deckung in das Spiel», kündigte der Slowene an. Er will für den gesperrten Kapitän Timo Rost sogar den offensiveren Dennis Sörensen aufbieten. Die beiden Offensivkräfte Michal Papadopulos und Stiven Rivic sind zwar noch angeschlagen, doch Prasnikar betonte: «Im Fußball ist vieles möglich. Wir haben nichts zu verlieren gegen die derzeit stärkste Mannschaft Deutschlands, aber viel zu gewinnen.» Zumal es bei den Bayern Ärger gab: Trainer Ottmar Hitzfeld strich den argentinischen Nationalspieler Martin Demichelis vorerst aus dem Kader. Damit reagierte Hitzfeld auf die Weigerung des Innenverteidigers, erneut im defensiven Mittelfeld auszuhelfen. «Ein Spieler kann keine Wünsche äußern. Bis auf weiteres ist er suspendiert», sagte Hitzfeld. Bereits im Dezember hatte Hitzfeld aus disziplinarischen Gründen Kapitän Oliver Kahn für eine Partie suspendiert.
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