Der Manager abgetaucht, die Fans auf den Barrikaden - und der Präsident heizt die Trainer-Diskussion an: Beim Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04 hängt nach dem bitteren 0:1 bei Bayer Leverkusen der Haussiegen schief.
Chefcoach Mirko Slomka rückte immer mehr ins Zentrum der Kritik. Der Eindruck verstärkte sich: Es braut sich etwas zusammen. Die Verantwortlichen waren zu kaum einer Stellungnahme zu bewegen und lieferten ein weiteres Beispiel für ungeschicktes Krisenmanagement. «Ich will jetzt erstmal nichts mehr sagen. Ich muss auch auf den inneren Frieden achten», meinte Clubchef Josef Schnusenberg im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa.
Die «Bild» berichtete, Schalke diskutiere intern bereits über eine Nachfolgeregelung für den umstrittenen Slomka. «Manager Andreas Müller hat den Geheimauftrag erhalten, einen Top-Coach zu suchen», schrieb die Zeitung und berief sich auf Aussagen Schnusenbergs, die Interpretationsspielraum lassen: «Wir haben Handlungsbedarf, doch es wird keinen Schnellschuss geben. Vielleicht brauchen wir auf Schalke wirklich mal einen Chefcoach, der großes internationales Standing hat.»
Slomka sagte nach dem 5:0 (2:0) in einem Testspiel gegen Dynamo Moskau, die Kritik an ihm sei in dieser Situation «absolut berechtigt. Es darf nicht sein, dass Schalke 04 in der Bundesliga zweimal hintereinander verliert.» An ein Ultimatum vor den Partien gegen Tabellenführer Bayern München am Samstag und in der Champions League beim FC Porto ) glaubt Slomka nicht. «Ich als Trainer bin für Erfolg und Misserfolg verantwortlich, ich habe den Hut auf», räumte er allerdings ein.
In der «Westdeutschen Allgemeinen Zeitung» hatte der 67 Jahre alte Vereinsvorsitzende Schnusenberg Spekulationen angeheizt. Es gebe «mehrere Möglichkeiten zu handeln», meinte Schnusenberg nebulös. Offenbar wollen Schnusenberg und Müller, der sich nach dem 0:1 bei Bayer ein Schweigegelübde verordnet hatte, zunächst mit dem Trainer reden. Man wolle sich laut Schnusenberg zusammensetzen und «ergebnisbezogen» miteinander sprechen.
Der Präsident, der sich selbst gern als «grenzenlosen Optimisten» bezeichnet, schwankt vor den Partien gegen München und in Porto zwischen Hoffen und Bangen. «Was ist denn, wenn wir gegen München und Porto gewinnen?», fragte Schnusenberg. Doch man kann sich nach den wütenden Fan-Protesten beim Bayer-Spiel vorstellen, was geschieht, falls der Tabellen-Fünfte auch das dritte Bundesligaspiel in Serie verliert und dann womöglich auch aus der Königsklasse ausscheidet. Schnusenberg hatte immer betont, dass der Trainer vom Erfolg abhängig sei. Und die Mannschaft droht das klare Ziel - mindestens Platz drei in der Liga - aus den Augen zu verlieren.
Doch nicht nur Schnusenberg, der intern offenbar zu mehr öffentlicher Zurückhaltung aufgefordert wurde, sondern auch der Vorsitzende des Aufsichtsrates äußerte sich kritisch. «Vor den Spielen gegen Bayern und Porto passiert mit Sicherheit nichts», sagte Clemens Tönnies in der «Westfälischen Rundschau», wollte dies aber nicht als Ultimatum verstanden wissen. Gleichwohl machte er keinen Hehl daraus, dass er die «eine oder andere personelle Entscheidung des Trainers nicht nachvollziehen» könne.
Fans und Kritiker verstehen nicht, warum Slomka dem seit Wochen formschwachen Peter Lövenkrands immer wieder eine Bewährungschance gibt und andererseits den im Winter für rund sechs Millionen Euro verpflichteten Offensivkräften Zé Roberto, Vicente Sanchez und Albert Streit kaum Einsatzzeiten einräumt. Lövenkrands war es auch, der mit einem unnötigen Ballverlust die schmerzhafte Niederlage bei Bayer einleitete, mit der Schalke weiteren Boden im Kampf um einen Liga- Spitzenplatz verlor.