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DFB-Kontrollausschuss ermittelt gegen Gomez

Stuttgart (dpa) - 24.02.2008, 15:48 Uhr

Stuttgarts Stürmer Mario Gomez läuft nach dem 2:0 mit dem Ball im Arm aus dem Tor des KSC.
Stuttgarts Stürmer Mario Gomez läuft nach dem 2:0 mit dem Ball im Arm aus dem Tor des KSC.

Unmittelbar nach dem Abpfiff grätschte Mario Gomez seinen Gegner Maik Franz verbal heftig ab: «Normalerweise respektiere ich im Fußball jeden Gegenspieler. Aber dieses Arschloch... Er ist einfach ein unfairer Sportsmann.»

Der Nationalstürmer tobte im TV-Sender Premiere nach dem befreienden 3:1 (2:0)- Sieg seines VfB Stuttgart über den Karlsruher SC im brisanten schwäbisch-badischen Bundesligaderby: «Er spielt unfair, das ist ligaweit bekannt, und er wird auch noch von den Schiedsrichtern geschützt.» Der kantige KSC-Innenverteidiger Franz konterte giftig: «Mario ist ein guter Fußballer, aber alles andere ist vielleicht noch verbesserungswürdig. Ich will mich nicht auf das Niveau herablassen.»

Sportlich war das mit Spannung erwartete, dann aber ziemlich fade 42. Nachbarschaftsduell überraschend früh entschieden. Gomez mit seinem elften Saisontor (5. Minute) und Roberto Hilbert (25.) sorgten vor 55 000 Zuschauern im ausverkauften Daimler-Stadion schnell für klare Verhältnisse. Nach Tamas Hajnals Anschlusstreffer (81.) kam beim VfB kurz Unruhe auf, aber Cacau (88.) bezweifelte mit dem 3:1 die letzten Zweifel. Die Stuttgarter feierten nicht nur eine gelungene Generalprobe für das Viertelfinale im DFB-Pokal gegen Jena, sondern dürfen sich nach dem zweiten Sieg hintereinander auch wieder Hoffnungen auf einen UEFA-Cup-Platz machen.

Von einer Wende wollte der sichtlich erleichterte VfB-Trainer Armin Veh indes nichts wissen: «So schnell geht das nicht. Als deutscher Meister hat man natürlich andere Ansprüche. Aber wir müssen den vor uns stehenden Mannschaften Respekt zollen.» Eine gewisse Bescheidenheit sei angebracht. Mit einem eher rustikalen Stil hatte der sonst stets auf Spielkultur bedachte VfB den spielerisch sogar dominierenden Neuling in die Knie gezwungen. «Wir haben einfach und kompromisslos gespielt», räumte Veh die Veränderung ein. «In solchen Phasen ist das wichtig.»

Für KSC-Coach Edmund Becker blieb die badische Fußball-Welt trotz der ersten Niederlage nach fünf Partien und des geplatzten Traums, bei den Schwaben nach 43 Jahren erstmals wieder zu triumphieren, in Ordnung: «Wir haben keinen Grund, verzweifelt zu sein.» Humorvoll wies er auf das Fehlen eines torgefährlichen Stürmers vom Schlage Gomez' hin: «Wir müssen schauen, ob wir in Karlsruhe zwei oder drei Banken ausrauben können, um einen Spieler dieser Qualität verpflichten zu können.» Franz traut seinem KSC auch ohne einen Gomez zu, am Ende die neue Nummer 1 im Land sein zu können. «Wenn wir weiter so spielen, landen wir vor dem VfB», stichelte er.


Bis zu Gomez' Auswechslung nach 78 Minuten hatten sich die beiden Streithähne auch auf dem Platz bis aufs Messer bekämpft. Becker brachte das gnadenlose Duell auf den Punkt: «Das sind heißblütige Jungs, die am Rande der Legalität spielen.» Auch als Gomez sich eineinhalb Stunden später nach ausgiebiger Massage seines geschundenen Körpers leicht erholt und ausgeruht erneut den Medien stellte, wich er kein Jota von seinen Fäkal-Vorwürfen gegenüber Franz ab: «Ich stehe dazu! Das ist die Wahrheit, nichts als die Wahrheit. Weiter darüber zu sprechen, wäre reine Zeitverschwendung.» Franz hatte sich da schon wieder im Griff: «Das war doch völlig normal. Im Derby geht es immer heiß her.»

Die Verbal-Attacken haben aber noch ein Nachspiel vor dem DFB-Schiedsgericht. Mario Gomez muss sich wegen seiner Äußerungen vor dem Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) verantworten. Der DFB teilte mit, dass der Kontrollausschuss-Vorsitzende Anton Nachreiner Ermittlungen gegen den 22 Jahre alten Profi eingeleitet habe. Der achtfache Nationalspieler muss nun über den VfB Stellung zu seinen Aussagen nehmen. Danach entscheidet das DFB-Gremium, ob es ein Verfahren gegen Gomez einleitet.

Am Tag nach dem Spiel beurteilte der deutsch-spanische Heißsporn den Fall entspannter. Sein Adrenalinspiegel war wieder auf Normalwert gesunken. «Die Art und Weise, wie ich meinem Unmut über seine Art zu spielen, Luft gemacht habe, war so nicht okay. So etwas sollte mir trotz aller Emotionen einfach nicht passieren», machte Gomez auf seiner Homepage einen Rückzieher. «Ich darf mich in Zukunft nicht mehr so provozieren lassen.»

Oliver Bierhoff hat Fußball-Nationalspieler Mario Gomez für seine verbale Entgleisung nach dem Bundesliga-Derby zwischen dem VfB Stuttgart und dem Karlsruher SC in Schutz genommen. «Die Wortwahl war verkehrt, aber man muss sehen, dass man direkt nach dem Spiel, sicherlich ein bisschen erbost, erregt ist und teilweise nicht die richtige Wortwahl findet», sagte der Teammanager der Nationalmannschaft bei der Veranstaltung eines Sponsors in München.

Die Wortwahl gefiel dem Nationalmannschafts-Manager nicht, doch insgesamt fand er lobende Worte für den Angreifer. «Ich schätze Mario sehr dafür, dass er schon in jungen Jahren Stellung bezieht und klare Aussagen macht, auch wenn er damit riskiert, irgendwo anzuecken. Wir brauchen Persönlichkeiten. Deswegen bin ich dankbar, wenn Spieler was ansprechen. Ich hoffe das nächste Mal in einer ruhigeren Art», ergänzte Bierhoff.

Während die VfB- und KSC-Profis auf dem Rasen erbittert um Punkte, Prestige und die Vormacht im «Ländle» stritten, provozierten unverbesserliche Pseudo-Fans auf den Rängen mit bengalischen Feuern und abgeschossenen Leuchtraketen beinahe einen Spielabbruch. Der souverän leitende Schiedsrichter Markus Merk behielt aber auch in diesen kritischen Phasen einen kühlen Kopf. Nach der Partie nahm die Polizei etwa zwei Dutzend junge Anhänger, vorwiegend Stuttgarter, wegen Körperverletzungen, Beleidigungen, Hausfriedensbruch und Bedrohungen vorläufig in Gewahrsam. «Zudem mussten einige Betrunkene ausgenüchtert werden. Sie alle sind wieder frei», sagte ein Polizeisprecher am folgenden Tag. Das Gottlieb-Daimler-Stadion war mit 55 000 Zuschauern ausverkauft. Die Polizei war mit mehr als 500 Beamten im Einsatz. Dem VfB droht wegen der Ausschreitungen ein Nachspiel.

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