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Gomez sauer auf Gegner Franz - VfB gewinnt Derby

Stuttgart (dpa) - 24.02.2008, 11:38 Uhr

Stuttgarts Stürmer Mario Gomez läuft nach dem 2:0 mit dem Ball im Arm aus dem Tor des KSC.
Stuttgarts Stürmer Mario Gomez läuft nach dem 2:0 mit dem Ball im Arm aus dem Tor des KSC.

Unmittelbar nach dem Abpfiff grätschte Mario Gomez seinen Gegner Maik Franz verbal heftig ab: «Normalerweise respektiere ich im Fußball jeden Gegenspieler. Aber dieses Arschloch... Er ist einfach ein unfairer Sportsmann.»

Der Nationalstürmer tobte im TV-Sender Premiere nach dem befreienden 3:1 (2:0)- Sieg seines VfB Stuttgart über den Karlsruher SC im brisanten schwäbisch-badischen Bundesligaderby: «Er spielt unfair, das ist ligaweit bekannt, und er wird auch noch von den Schiedsrichtern geschützt.» Der kantige KSC-Innenverteidiger Franz konterte giftig: «Mario ist ein guter Fußballer, aber alles andere ist vielleicht noch verbesserungswürdig. Ich will mich nicht auf das Niveau herablassen.»

Sportlich war das mit Spannung erwartete, dann aber ziemlich fade 42. Nachbarschaftsduell überraschend früh entschieden. Gomez mit seinem elften Saisontor (5. Minute) und Roberto Hilbert (25.) sorgten vor 55 000 Zuschauern im ausverkauften Daimler-Stadion schnell für klare Verhältnisse. Nach Tamas Hajnals Anschlusstreffer (81.) kam beim VfB kurz Unruhe auf, aber Cacau (88.) bezweifelte mit dem 3:1 die letzten Zweifel. Die Stuttgarter feierten nicht nur eine gelungene Generalprobe für das Viertelfinale im DFB-Pokal am Dienstag gegen Jena, sondern dürfen sich nach dem zweiten Sieg hintereinander auch wieder Hoffnungen auf einen UEFA-Cup-Platz machen.

Von einer Wende wollte der sichtlich erleichterte VfB-Trainer Armin Veh indes nichts wissen: «So schnell geht das nicht. Als deutscher Meister hat man natürlich andere Ansprüche. Aber wir müssen den vor uns stehenden Mannschaften Respekt zollen.» Eine gewisse Bescheidenheit sei angebracht. Mit einem eher rustikalen Stil hatte der sonst stets auf Spielkultur bedachte VfB den spielerisch sogar dominierenden Neuling in die Knie gezwungen. «Wir haben einfach und kompromisslos gespielt», räumte Veh die Veränderung ein. «In solchen Phasen ist das wichtig.»

Für KSC-Coach Edmund Becker blieb die badische Fußball-Welt trotz der ersten Niederlage nach fünf Partien und des geplatzten Traums, bei den Schwaben nach 43 Jahren erstmals wieder zu triumphieren, in Ordnung: «Wir haben keinen Grund, verzweifelt zu sein.» Humorvoll wies er auf das Fehlen eines torgefährlichen Stürmers vom Schlage Gomez' hin: «Wir müssen schauen, ob wir in Karlsruhe zwei oder drei Banken ausrauben können, um einen Spieler dieser Qualität verpflichten zu können.» Franz traut seinem KSC auch ohne einen Gomez zu, am Ende die neue Nummer 1 im Land sein zu können. «Wenn wir weiter so spielen, landen wir vor dem VfB», stichelte er.


Bis zu Gomez' Auswechslung nach 78 Minuten hatten sich die beiden Streithähne auch auf dem Platz bis aufs Messer bekämpft. Becker brachte das gnadenlose Duell auf den Punkt: «Das sind heißblütige Jungs, die am Rande der Legalität spielen.» Auch als Gomez sich eineinhalb Stunden später nach ausgiebiger Massage seines geschundenen Körpers leicht erholt und ausgeruht erneut den Medien stellte, wich er kein Jota von seinen Fäkal-Vorwürfen gegenüber Franz ab: «Ich stehe dazu! Das ist die Wahrheit, nichts als die Wahrheit. Weiter darüber zu sprechen, wäre reine Zeitverschwendung.» Möglicherweise haben die Verbal-Attacken aber noch ein Nachspiel vor dem DFB-Schiedsgericht. Franz hatte sich da schon wieder im Griff: «Das war doch völlig normal. Im Derby geht es immer heiß her.»

Während die VfB- und KSC-Profis auf dem Rasen erbittert um Punkte, Prestige und die Vormacht im «Ländle» stritten, provozierten unverbesserliche Pseudo-Fans auf den Rängen mit bengalischen Feuern und abgeschossenen Leuchtraketen beinahe einen Spielabbruch. Der souverän leitende Schiedsrichter Markus Merk behielt aber auch in diesen kritischen Phasen einen kühlen Kopf. Nach der Partie nahm die Polizei etwa zwei Dutzend junge Anhänger, vorwiegend Stuttgarter, wegen Körperverletzungen, Beleidigungen, Hausfriedensbruch und Bedrohungen vorläufig in Gewahrsam. Dem VfB droht wegen der Ausschreitungen ein Nachspiel.

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