Mit seinem mit «Rot» geahndeten Ausraster hat Mittelfeldstar Diego Werder Bremen einen Bärendienst erwiesen, die 0:1 (0:0)-Niederlage bei Eintracht Frankfurt und damit einen herben Rückschlag der Hanseaten im Titelkampf der Fußball-Bundesliga begünstigt.
Diegos Platzverweis in der 40. Minute nach einem rüden Rempler gegen Frankfurts Abwehrriesen Sotirios Kyrgiakos war die Schlüsselszene in der mit 51 500 Zuschauern ausverkauften Commerzbank-Arena und sorgte nach dem hitzigen Spiel für kontroverse Diskussionen. Im Rennen um die deutsche Meisterschaft droht Diego nun eine längere Sperre.
«Natürlich kann man seine Reaktion nicht gutheißen, aber sehr gut nachvollziehen. Diego wurde zuvor fünf, sechs, sieben Mal gefoult und von draußen wurde gegen ihn Stimmung gemacht. Der Schiedsrichter hat diesem Druck nachgegeben», meinte Werders Manager Klaus Allofs, der Verständnis für die Kurzschlussreaktion des meistgefoulten Spielers der Bundesliga aufbrachte. «Es ging ein klares Foul von Kyrgiakos voraus, der Diego dann sogar noch provozierte.» Auch Werder-Trainer Thomas Schaaf verurteilte sein malträtiertes Juwel nicht: «Es ist ein absolutes Wunder, dass er sich so lange im Griff hatte.»
Den Feldverweis für seinen wegen einer Schambeinentzündung beim 1:0-UEFA-Cup-Sieg in Braga geschonten Star machte Schaaf ebenso wenig verantwortlich für die vermeidbare Niederlage wie Allofs die «Rekord-Pause» von 39 Stunden zwischen UEFA-Cup- und Bundesligaspiel. Allofs: «Wir haben auch mit zehn Mann noch Kraft gehabt.»
Rot-Sünder Diego gab sein Fehlverhalten bei seinem ersten Bundesliga-Platzverweis reumütig zu. «Ich bin traurig, dass ich mich dazu hinreißen ließ und der Mannschaft geschadet habe. Dafür entschuldige ich mich bei meinen Mitspielern und dem Trainer», sagte Diego, der aber auch eine aus seiner Sicht plausible Erklärung für den Blackout anführte: «Er kam auf mich zu und hat mich beleidigt». Auf Reporter-Nachfragen präzisierte der Brasilianer nicht in seiner Muttersprache portugiesisch, sondern gab die angeblich gefallenen Worte des Griechen auf englisch preis: «Fuck you and stand up».
Frankfurts Trainer Friedhelm Funkel wollte dies nicht so dastehen lassen. «Er ist nicht provoziert worden. Man weiß, dass auf dem Platz manchmal derbe Worte fallen. Solche verbalen Auseinandersetzungen gehören einfach dazu», meinte der Eintracht-Coach. Kyrgiakos entzog sich Fragen nach dem Wahrheitsgehalt. Schiedsrichter Helmut Fleischer (Sigmertshausen) hatte aus 30 Metern Entfernung naturgemäß «angesichts der großen Geräuschkulisse» nichts gehört. Ihm blieb nichts anderes übrig, als nach Befragen seines Assistenten an der Außenlinie Diegos Rempler in Rambo-Manier mit Anlauf (Fleischer: «Mit der Schulter in Brusthöhe«) mit der Roten Karte zu ahnden.
Während Schaaf mit mit den vergebenen Chancen gegen den formidablen Frankfurter Keeper Oka Nikolov haderte, war Funkel nur mit dem Ergebnis zufrieden. «Das war ein ganz schlechtes Spiel nach der Pause. Wir haben fahrlässig Torchancen zugelassen und den Sieg mit Glück über die Zeit gerettet. So können wir keine höheren Ziele anstreben», meinte der Coach der Eintracht, die mit 32 Punkten und Platz sieben an den UEFA-Cup-Plätzen schnuppert. In Matchwinner Ioannis Amanatidis, der mit seinem 8. Saisontor (56.) für den ersten Eintracht-Heimsieg gegen Bremen seit dem 12. April 2000 sorgte, hatte Funkel einen realistischen Fürsprecher: «32 Punkte sind noch kein Grund, unser Ziel von 45 Punkten zu verändern. Uns fehlen noch 13 Punkte. Das ist jede Menge Brot», sagte der Kapitän.