Ex-Profi Kalla wegen Steuerhinterziehung verurteilt
17.01.2008, 16:38 Uhr
Raymond Kalla muss sich vor dem Amtsgericht in Bochum verantworten.
Bochum (dpa) Den ehemaligen Fußball-Bundesligaprofi Raymond Kalla kommen die kassierten Schwarzgelder teuer zu stehen. Der 32 Jahre alte frühere Abwehrspieler des Bundesligisten VfL Bochum ist vom Bochumer Amtsgericht wegen Steuerhinterziehung zu 20 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Kalla zwischen 2002 und 2004 insgesamt 640 000 Euro Schwarzgeld von seinem damaligen Verein VfL Bochum erhalten und nicht versteuert hat. Die geheimen Zusatzzahlungen seien als Provision für einen Spielerberater aus Monaco deklariert gewesen und später an Kalla zurückgeflossen. Der Nationalspieler aus Kamerun muss zudem in den kommenden drei Jahren den Steuerschaden von 311 000 Euro begleichen. Die Staatsanwaltschaft kündigte nach der Urteilsverkündung an, die Ermittlungen gegen Verantwortliche des VfL Bochum fortzusetzen. Die Vertreter des Revierclubs nahmen keine Stellung zu den Vorwürfen. «Wir sagen derzeit gar nichts, weil es laufende Ermittlungen sind», sagte der tags zuvor ins Trainingslager nach Lomas de Campoamor/Spanien gereiste VfL-Finanzvorstand Ansgar Schwenken, der zum damaligen Zeitpunkt Geschäftsführer des Vereins war, auf dpa-Anfrage. Auch das Urteil gegen Kalla, der als erster Fußball-Profi in Deutschland wegen eines solchen Steuerdeliktes eine Bewährungsstrafe erhielt, wollte Schwenken nicht kommentieren.
Die Richter gehen davon aus, dass die geheimen Zusatzzahlungen an Kalla auf einer mündlichen Netto-Gehaltszusage des VfL Bochum basieren. Die entsprechende Vereinbarung sei Ende Mai 2002 in einem Pariser Hotel getroffen worden. Die Zahlungen selbst sind laut Urteil eindeutig als Lohnzahlungen einzustufen und hätten vom Arbeitgeber deshalb auch versteuert werden müssen. In der Urteilsbegründung hieß es: «Der VfL Bochum wäre verpflichtet gewesen, Lohnsteuer abzuführen.» Das sei jedoch nicht geschehen. Aber auch Kalla hätte das Geld bei seiner Einkommenssteuererklärung angeben müssen. Der Steuerschaden beläuft sich laut Urteil auf rund 311 000 Euro. Diese Summe muss Kalla in den nächsten drei Jahren ausgleichen. Ansonsten droht ihm der Widerruf der Bewährung. «Wenn Sie nicht mitarbeiten, stecke ich Sie ins Gefängnis», sagte Richter Karl-Heinz Bösken zu Kalla. «Das ist hier kein Spaß.» Die Summe der hinterzogenen Steuern sei schließlich höher, als ein Normalverdiener in vielen Jahren verdiene. Kalla muss dem Gericht bis 2011 außerdem ständig seinen aktuellen Wohnsitz mitteilen. Zurzeit wohnt der 32-Jährige in Paris. Unter Vertrag steht er nach eigenen Angaben nicht. |