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Kahn: Lehmanns Reservistenrolle «gefährliche Sache»

Marbella (dpa) - 16.01.2008, 16:56 Uhr

Bayern-Torwart Oliver Kahn bei einer Pressekonferenz in Marbella.
Bayern-Torwart Oliver Kahn bei einer Pressekonferenz in Marbella.

Maximal 30 Spiele und ein spektakulärer Abtritt mit drei Titeln liegen noch vor Oliver Kahn - dann ist im Sommer mit Fußball erst einmal Feierabend für den einst weltbesten Torhüter.

Wenn Jürgen Klinsmann beim FC Bayern am 1. Juli das Zepter übernimmt, dann wird der noch amtierende Kapitän des Rekordmeisters erst einmal das Weite suchen. «Ich denke, es wird eine mittelfristige Zeit geben, wo ich mit dem Fußball nichts mehr zu tun kriege - vielleicht auch für immer», sagte der 38 Jahre alte Torhüter in Marbella.

In seinem letzten «von über 50 Trainingslagern», in dem ihn eine Halswirbel-Verrenkung aktuell zu einer Übungspause zwingt, kommt bei ihm «überhaupt keine Wehmut auf», wie er versichert. Im Gegenteil: Kahn hat nach eigener Aussage ein allerletztes Mal den «Autopiloten» eingeschaltet, der ihn zu einem glorreichen Karriereabschluss Mitte Mai leiten soll: «Wenn alles passt und wir unsere Leistungsgrenze erreichen, ist es nicht unrealistisch, alle drei Titel zu packen.»

Bis er am 17. Mai in der Münchner Arena sein möglicherweise 560. und letztes Bundesligaspiel gegen Hertha BSC bestreiten wird, soll Fußball-Deutschland noch einmal den wahren Oliver Kahn erleben, den Titan, der aber auch auf der Zielgeraden seiner Laufbahn noch einmal von der Vergangenheit eingeholt wird - ob sie Jürgen Klinsmann oder Jens Lehmann heißt. Dass sein einstiger Erzrivale im Nationalteam womöglich als Dauerreservist die Europameisterschaft ansteuern will, betrachtet der vor der WM 2006 von Klinsmann zur Nummer 2 hinter Lehmann degradierte Kahn mit einiger Skepsis. «In der Vergangenheit wäre das unvorstellbar gewesen, dass ein Nationaltorhüter im Verein auf der Bank sitzt. Das ist ein Problem, das weiß der Jens auch. Das ist eine gefährliche Sache, ein gefährlicher Weg», erklärte Kahn.

Lehmann besitze zwar die Klasse, um trotz Reservistenrolle bei der EM im deutschen Tor zu stehen, aber gegen «große Gegner» könnte die fehlende Wettkampfpraxis zum Problem werden, warnte Kahn. Dass der ebenfalls 38-jährige Lehmann, der Borussia Dortmund aus familiären Gründen eine Absage erteilt hatte, den FC Arsenal noch nicht verlassen hat und bei dem Londoner Club als Reservist ausharrt, erstaunt den 86-maligen Nationaltorhüter: «Es wundert mich, dass er nicht mit allen Möglichkeiten die Spielpraxis sucht.» Tipps wolle er Lehmann aber nicht geben: «Ich glaube nicht, dass Jens von mir Ratschläge braucht.»


Umso eindringlicher appelliert der Kapitän dagegen an alle beim FC Bayern, sich ab sofort nicht mehr so intensiv mit dem im Sommer antretenden Trainer Jürgen Klinsmann zu beschäftigen. «Es ist gut, dass die Dinge geklärt sind. Wir dürfen es aber nicht zulassen, dass hier permanent über die Zukunft geredet wird. Das wäre Blödsinn. Wir leben im Hier und Jetzt. Wir müssen schauen, dass wir im Sommer wieder auf dem Münchner Marienplatz stehen mit Etwas in den Händen.»

Eine Funktion in Klinsmanns Spezialistenteam kommt für Kahn natürlich nicht infrage: «Ich glaube, da braucht man mich nicht.» So wohlwollend wie nie zuvor warb er für seinen Stellvertreter Michael Rensing als seinen Nachfolger und Erben des Trikots mit der Nummer 1: «Er ist jetzt soweit. Er hat die Chance verdient, die sollte man ihm auch geben», erklärte Kahn - auch mit einem Wink an Klinsmann und alle diejenigen, die in München schon über Lehmann spekulieren.

Überzeugt ist Kahn, dass er und der am Saisonende ebenfalls ausscheidende Trainer Ottmar Hitzfeld einen erfolgreichen Abschied feiern werden. «Ich glaube, dass wir relativ souverän deutscher Meister werden», prophezeite Kahn. Es wäre sein achter Meistertitel, dazu sollen noch der zweite UEFA-Pokal-Triumph nach 1996 sowie sein insgesamt sechster DFB-Pokal-Gewinn kommen. Es wäre ein Happy End ganz nach den Wünschen des Oliver Kahn, der vor seinem Endspurt sagte: «Ich hatte viele Erfolge, viele Misserfolge, viele emotionale Erlebnisse. Man versucht noch einmal, alles herauszuholen die nächsten Monate - und dann ist auch genug.»

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