HSV und van der Vaart: Die Abschiedsglocken läuten
Hamburg (dpa) - 06.01.2008, 10:58 Uhr
Rafael van der Vaart lehnt eine Vertragsverlängerung beim HSV ab.
Der Trainer geht, sein bester Spieler vermutlich auch. Weil Rafael van der Vaart eine vorzeitige Vertragsverlängerung bis 2012 ablehnt, tut sich beim Hamburger SV die zweite Großbaustelle auf. Nach dem angekündigten Abgang von Trainer Huub Stevens zum Saisonende liegt nun auch der baldige Verlust des Ausnahme-Fußballers van der Vaart nahe. «Ich werde nicht verlängern», ließ er seinen Arbeitgeber via «Bild»-Zeitung wissen. «Mein Traum von einem Top-Verein ist noch immer akut. Und wenn ich mich bis 2012 an den HSV binden würde, wäre das auch für mich zu lang.» Stattdessen kann sich der Nationalspieler einen Wechsel zum italienischen Rekordmeister Juventus Turin vorstellen, der laut italienischen Presseberichten 17 Millionen Euro zu zahlen bereit ist. Die Absage an den HSV ist keine Überraschung. «Das wirft uns nicht um. Wir haben diese Variante in unsere Planungen einbezogen», sagte Vereinschef Bernd Hoffmann. Zwar sind die Hamburger bis an die Schmerzgrenze gegangen und haben dem Mittelfeldspieler eine Verdoppelung seiner Bezüge auf jährlich rund vier Millionen Euro in Aussicht gestellt, aber van der Vaart will mehr. Nicht vordergründig Geld, wohl aber Ruhm und Titel.
Der nicht zu Europas feinsten Adressen zählende HSV kann van der Vaarts Hunger nach dreijährigem Engagement an der Elbe nicht mehr stillen. «Ich hatte gute Gespräche mit den Verantwortlichen des HSV, das Angebot war wirklich hervorragend», attestierte der Kapitän der Vereinsführung, nichts unversucht gelassen zu haben. Deshalb sehen die Verantwortlichen für die nächsten Monate auch nicht schwarz. «Wir sind sicher, van der Vaart wird auch weiterhin 100 Prozent Leistung für den HSV bringen», sagte Hoffmann. Zwar hat der 24-jährige Niederländer noch einen gültigen Vertrag bis 2010, doch die wirtschaftliche Vernunft wird den HSV mit größter Wahrscheinlichkeit zur vorzeitigen Trennung zwingen. Geht van der Vaart nicht im Sommer, dann geht er 2009 für vertraglich vereinbarte 1,5 Millionen Euro - für einen Edelfuß wie ihn eine verschwindend geringe Summe in dem maßlos aufgeblähten Transfergeschäft. In diesem Sommer aber kann sich der HSV den Verlust mit stattlichen 15 bis 20 Millionen Euro vergüten lassen. Geld, mit dem sich Ersatz auftreiben lässt. «Uns liegt noch kein offizielles Angebot irgendeines Vereins vor», versicherte Sportchef Dietmar Beiersdorfer allerdings. |