Genugtuung in Hamburg: Rost als Gewinner 2007
Hamburg (dpa) - 20.12.2007, 13:34 Uhr
HSV-Torwart Frank Rost hält mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg.
Frank Rost hat viel gewagt und hoch gewonnen. Als Stammtorhüter von Trainer Mirko Slomka bei FC Schalke 04 ausgemustert und gedemütigt, kam der 34-Jährige im vorigen Winter zum Bundesliga-Vorletzten Hamburger SV. «Das war eine lehrreiche Zeit, aus der wir mit einem blauen Auge davongekommen sind», sagt Rost. «Das sind Extremsituationen im Sport, daraus nimmst du immer was mit.» Sein persönliches Risiko, als arrivierter Schlussmann zu einem Abstiegskandidaten zu wechseln, ging hundertprozentig auf. Nach wenigen Tagen stand er bereits in der Hierarchie des Teams ganz oben, wurde sofort einer der dringend gesuchten Leitwölfe und ist mitverantwortlich für die Erfolgsbilanz der Hamburger, die erstmals seit Jahren gleichzeitig um die Bundesliga-Spitze mitkämpfen sowie im DFB- und UEFA-Pokal überwintern. «Wir sind stolz, dass Frank bei uns im Tor steht. Er ist ein großartiger Spieler und extrem wichtig für die Mannschaft», betont HSV-Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer, der die Führungsqualitäten des gebürtigen Chemnitzers ungemein schätzt.
Wichtig ist zwar, dass Rost fast 80 Prozent aller Bälle hält, die auf sein Tor gehen, in der Hinrunde achtmal zu Null spielte und insgesamt nur 13 Gegentreffer in 17 Erstliga-Partien zuließ. Fast ebenso wichtig ist aber auch, dass er den Mund aufmacht, wenn andere sich nicht trauen. So stutzte er Mohamed Zidan zurecht, als der mehr Interviews gab als Schweißperlen im Training zu vergießen. Und Rost scheute sich auch nicht, an Kapitän Rafael van der Vaart ein ernstes Wort zu richten, als ihm dessen Wechsel-Sommertheater mit dem FC Valencia zu bunt wurde. «Natürlich bin ich einer, der aneckt, der Sachen anspricht, die vom Fußball ablenken», gibt Rost zu. So sorgte er zuletzt für Aufmerksamkeit, als er die «Krawattenträger» für die Spielplangestaltung und die ungleichen Regenerationszeiten nach UEFA- und vor den folgenden Punktspielen verantwortlich machte. Von Christian Seifert, dem Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL), musste er sich im Gegenzug anhören, von den von Krawattenträgern ausgehandelten Verträgen ganz erheblich zu profitieren und nicht zuletzt deshalb in der Lage zu sein, zum Multi-Millionär aufzusteigen. Doch Rost ist kein oberflächlicher Nörgler, er denkt sich viel bei seinen Aussagen, auch wenn sie manchmal zu emotional rüberkommen. Auf seiner Homepage nimmt er ausführlich zu seiner Kritik Stellung und ist sich nicht zu schade, alle Krawattenträger um Verzeihung zu bitten. |
«Ja, ich bin viel ruhiger geworden, auch wenn ich oft den schwierigen Weg gehe», gesteht der erfolgreiche Schlussmann, der mit Werder Bremen Meister und Pokalsieger wurde und 311 Bundesliga-Partien hinter sich hat. Tipps fürs Leben holt er sich manchmal von seinem ehemaligen Coach Otto Rehhagel. «Er ist einer der wenigen Trainer, die ihre Spieler nicht vergessen», betont Rost, dem vor allem die Menschenkenntnis des griechischen Nationaltrainers gefällt. Ein Fußball-Lehrer vom alten Schlag ist auch Huub Stevens, den Rost überaus schätzt: «Viele sagen, er hat veraltete Ansichten. Es freut mich, dass er damit Erfolg hat. Unsere Übereinstimmung liegt fast bei 100 Prozent.» Der niederländische HSV-Coach wird Hamburg im Sommer verlassen, Rost dagegen plant die Zukunft an der Elbe. Derzeit lässt er ein Haus für sich, seine Frau und die kleine Tochter bauen.
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