Mehr Frust als Freude über das Unentschieden herrschte auch bei den Hausherren. Über 90 Minuten lang hatten die tapfer kämpfenden und immer wieder selbst gefährlich konternden Karlsruher die HSV-Angriffe abgeblockt. Es schien, als ob sie die 1:0-Führung durch Christian Timms tückischen Aufsetzer nur 45 Sekunden nach Wiederanpfiff (46.) über die Zeit retten könnten. «Wir haben einen sehr starken Gegner beinahe in die Knie gezwungen und nur durch eine dumme Aktion am Schluss wieder alles vergeben», meinte Abwehrchef Mario Eggimann selbstkritisch. «Das war schon eine gefühlte Niederlage», bestätigte Mittelfeldmann Massimilian Porcello. Immerhin rutschte der KSC dadurch aus den UEFA-Cup-Plätzen auf Rang sechs ab. Dass die Badener der mit Abstand beste Neuling bleiben, war kurz vor der Weihnachtsfeier kein wirkliches Geschenk. «Die Jungs einschließlich Trainer sind enttäuscht», sagte Edmund Becker. «Es ist ärgerlich und bedauerlich, in letzter Minute ein Tor zu kassieren.» Die «super Ausbeute von 28 Punkten sowie die Art und Weise, wie wir Fußball gespielt haben», tröstete aber den Coach. Unterdessen hat der HSV hat für Kontinuität in der Führungstätigkeit gesorgt. Sowohl mit dem Vorstandsvorsitzenden Bernd Hoffmann als auch mit Vorstandsmitglied Katja Kraus sind die Verträge vorzeitig um drei Jahre bis zum 31. Dezember 2011 verlängert worden. «Beide Verträge wurden mit acht Ja-Stimmen verlängert», sagte Aufsichtsratschef Horst Becker. Hoffmann erhielt von den elf Kontrolleuren drei Gegenstimmen, gegen Kraus votierte ein Mitglied, zwei Kontrolleure enthielten sich. Die Verträge des Führungsduos sind damit bereits ein Jahr vor Ablauf verlängert worden. Hoffmann hatte auf eine vorzeitige Entscheidung gedrängt. In der Vorwoche waren die Anschlussverträge im Aufsichtsrat noch kontrovers diskutiert worden. Die Vertreter der mitgliederstarken Abteilung Supporters sowie der frühere Präsident Jürgen Hunke stehen dem Vorstandsvorsitzenden kritisch gegenüber. «Wir haben ein Zeichen des Vertrauens gesetzt», betonte Becker. «Ich freue mich auf die Fortsetzung der Zusammenarbeit.» Ursprünglich wollte sich der Aufsichtsrat erst am Montagabend zusammenfinden, um über die Verträge zu entscheiden. Um einen Medienandrang zu vermeiden, zogen die Kontrolleure die Abstimmung aber um einen Tag vor. Hoffmann räumte ein, dass die vergangenen Tage durch die öffentliche Diskussion um seine Zukunft «nicht vergnügungssteuerpflichtig» gewesen seien. «Mir macht die Arbeit beim HSV großen Spaß. Jetzt haben wir Planungssicherheit für die kommenden Aufgaben», sagte der 44-Jährige. Nun freue er sich auf ruhige und besinnliche Weihnachtstage. Die erfolgreiche sportliche Entwicklung in diesem Jahr sowie die erneut positive wirtschaftliche Bilanz hatten den Ausschlag für eine langfristige Weiterverpflichtung des Vorsitzenden gegeben. Hoffmann war am 1. Februar 2003 vom Vermarkter Sportfive zum HSV gewechselt, die ehemalige Fußball-Nationaltorhüterin Kraus, die für Kommunikation und Marketing zuständig ist, folgte einen Monat später.
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