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Stevens kritisiert klägliche HSV-Chancenverwertung

Karlsruhe (dpa) - 16.12.2007, 14:50 Uhr

Hier kann KSC-Torwart Kornetzky den HSVer Olic noch stoppen, später köpft er ein.
Hier kann KSC-Torwart Kornetzky den HSVer Olic noch stoppen, später köpft er ein.

Huub Stevens ärgerte sich maßlos über den verschenkten Sieg, von einem erneuten Rückschlag im Titelrennen wollte der «Knurrer» nach dem erst dank Ivica Olic's Last-Minute-Tor erreichten 1:1 (0:0) beim kessen Karlsruher SC aber nichts wissen.

«Ein Punkt ist für die Art und Weise, wie wir gespielt haben, zu wenig», kritisierte der Trainer des Hamburger SV die teils klägliche Chancenverwertung seiner Kicker. Und ergänzte: «Wir wollen gerne einen Titel holen, aber die Meisterschaft ist an Bayern München vergeben. Wir wollen kämpfen wie Bremen, Schalke oder Leverkusen.»

Trotz des dritten Dämpfers hintereinander überwintern die Hanseaten in der Fußball-Bundesliga als Tabellendritte auf einem Champions-League-Platz und haben angesichts von vier Punkten Rückstand auf das Spitzen-Duo Bayern München und Werder Bremen noch alle Möglichkeiten im Kampf um die Meisterschale. Dementsprechend zuversichtlich reagierten die HSV-Profis, auch wenn sie das Remis reichlich nervte. «Wir haben die ganze Zeit Druck gemacht und wieder zwei Punkte verloren», klagte Olic. «Wir können im neuen Jahr ganz oben mitspielen.» Der Kroate hatte mit seinem Kopfball in der Nachspielzeit (90.+1 Minute) nach einem sträflichen Deckungsfehler der KSC-Abwehr wenigstens eine komplette Pleite verhindert.

David Jarolim kündigte forsch an, das Team werde den Rückstand in der Rückrunde wettmachen: «Wir wollen oben bleiben und um 'was mitspielen. Die Stärke haben wir.» Nationalspieler Piotr Trochowski wies auf den ebenfalls schwächelnden Spitzenreiter und klaren Titelfavoriten hin, so dass sich der Schaden in Grenzen halte: «Die Bayern haben auch nur einen Punkt geholt.»

Die Hamburger bewiesen in der letzten Hinrundenpartie, dass sie durchaus das Potenzial zum Meister haben. Dirigiert vom überzeugenden Rafael van der Vaart, dominierten sie spielerisch gegen den ebenfalls überzeugenden Aufsteiger. Aber wie schon beim kläglichen Heim-0:0 gegen Cottbus ließ die mit nur 24 Treffern schwächste Offensive der Top-5 der Tabelle zu viele klare Chancen ungenutzt. «Da muss man froh sein, noch einen Punkt mitzunehmen», monierte Stevens diese Schwäche seiner Schützlinge und sprach nicht von ungefähr von einer Kopie des Cottbus-Spiels. Mit einem Sieg über den FC Basel im letzten UEFA-Cup- Gruppenspiel wollen sich die Hamburger für die jüngsten Liga-Ausrutscher rehabilitieren. Stevens: «Das sind wir schon unseren Fans schuldig. Natürlich wollen wir auch Gruppenerster werden.»


Mehr Frust als Freude über das Unentschieden herrschte auch bei den Hausherren. Über 90 Minuten lang hatten die tapfer kämpfenden und immer wieder selbst gefährlich konternden Karlsruher die HSV-Angriffe abgeblockt. Es schien, als ob sie die 1:0-Führung durch Christian Timms tückischen Aufsetzer nur 45 Sekunden nach Wiederanpfiff (46.) über die Zeit retten könnten. «Wir haben einen sehr starken Gegner beinahe in die Knie gezwungen und nur durch eine dumme Aktion am Schluss wieder alles vergeben», meinte Abwehrchef Mario Eggimann selbstkritisch. «Das war schon eine gefühlte Niederlage», bestätigte Mittelfeldmann Massimilian Porcello.

Immerhin rutschte der KSC dadurch aus den UEFA-Cup-Plätzen auf Rang sechs ab. Dass die Badener der mit Abstand beste Neuling bleiben, war kurz vor der Weihnachtsfeier kein wirkliches Geschenk. «Die Jungs einschließlich Trainer sind enttäuscht», sagte Edmund Becker. «Es ist ärgerlich und bedauerlich, in letzter Minute ein Tor zu kassieren.» Die «super Ausbeute von 28 Punkten sowie die Art und Weise, wie wir Fußball gespielt haben», tröstete aber den Coach.

Unterdessen hat der HSV hat für Kontinuität in der Führungstätigkeit gesorgt. Sowohl mit dem Vorstandsvorsitzenden Bernd Hoffmann als auch mit Vorstandsmitglied Katja Kraus sind die Verträge vorzeitig um drei Jahre bis zum 31. Dezember 2011 verlängert worden. «Beide Verträge wurden mit acht Ja-Stimmen verlängert», sagte Aufsichtsratschef Horst Becker. Hoffmann erhielt von den elf Kontrolleuren drei Gegenstimmen, gegen Kraus votierte ein Mitglied, zwei Kontrolleure enthielten sich. Die Verträge des Führungsduos sind damit bereits ein Jahr vor Ablauf verlängert worden. Hoffmann hatte auf eine vorzeitige Entscheidung gedrängt.

In der Vorwoche waren die Anschlussverträge im Aufsichtsrat noch kontrovers diskutiert worden. Die Vertreter der mitgliederstarken Abteilung Supporters sowie der frühere Präsident Jürgen Hunke stehen dem Vorstandsvorsitzenden kritisch gegenüber. «Wir haben ein Zeichen des Vertrauens gesetzt», betonte Becker. «Ich freue mich auf die Fortsetzung der Zusammenarbeit.» Ursprünglich wollte sich der Aufsichtsrat erst am Montagabend zusammenfinden, um über die Verträge zu entscheiden. Um einen Medienandrang zu vermeiden, zogen die Kontrolleure die Abstimmung aber um einen Tag vor.

Hoffmann räumte ein, dass die vergangenen Tage durch die öffentliche Diskussion um seine Zukunft «nicht vergnügungssteuerpflichtig» gewesen seien. «Mir macht die Arbeit beim HSV großen Spaß. Jetzt haben wir Planungssicherheit für die kommenden Aufgaben», sagte der 44-Jährige. Nun freue er sich auf ruhige und besinnliche Weihnachtstage.

Die erfolgreiche sportliche Entwicklung in diesem Jahr sowie die erneut positive wirtschaftliche Bilanz hatten den Ausschlag für eine langfristige Weiterverpflichtung des Vorsitzenden gegeben. Hoffmann war am 1. Februar 2003 vom Vermarkter Sportfive zum HSV gewechselt, die ehemalige Fußball-Nationaltorhüterin Kraus, die für Kommunikation und Marketing zuständig ist, folgte einen Monat später.

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