Die Weihnachtsfeier-Variante als Erklärung hatte Kahn selbst zurückgewiesen. «Damit hängt es sicherlich nicht zusammen», sagte Kahn, der in der Vergangenheit sogar schon einmal eine Meisterfeier verpasst hatte. Kahn geht davon aus, dass die Suspendierung für ihn in seiner letzten Profi-Saison keine weiteren Folgen haben wird. «Es geht nur um das eine Spiel», betonte er. Der Stammkeeper rechnet damit, dass ihn Michael Rensing nur gegen Hertha vertreten wird und er in der kommenden Woche im UEFA-Cup-Heimspiel gegen Aris Saloniki wieder im Tor stehen wird. «Ich bereite mich voll auf Saloniki vor. Das ist alles mit dem Trainer abgesprochen.» Hitzfeld, der sich nicht öffentlich äußern mochte, hatte die Mannschaft am Vormittag von der Suspendierung Kahns unterrichtet, wie Nationalspieler Philipp Lahm berichtete. «Der Trainer hat uns das mitgeteilt. Das ist in der Kabine zustande gekommen, deshalb werde ich es nicht nach außen tragen», sagte Lahm. Der «Fall Kahn» lässt den FC Bayern vor dem Hinrunden-Finale trotz Tabellenführung zum Pulverfass werden. «Wir sind in einer kritischen Phase», bestätigte Lahm. Pikant am Rande ist, dass Beckenbauer Trainer Hitzfeld indirekt zum Handeln aufgefordert hatte. Die Mannschaft benötige «einen ordentlichen Weckruf», äußerte der Vereinspräsident in seiner «Bild»-Kolumne. «Der Trott der vergangenen Spiele darf nicht zur Gewohnheit werden», warnte Beckenbauer zugleich, wobei er den Dauerläufer Ribéry ausdrücklich vor Kritik in Schutz nahm. Den Einwand von Kahn, dass der FC Bayern nach den Rekordinvestitionen von fast 70 Millionen Euro in neue Spieler unter dem in dieser Saison aufgebürdeten Erfolgsdruck fast «platzt», teilt Beckenbauer nicht. Die Titel-Erwartungen dürften kein Problem darstellen: «Das müssen die Profis beim FC Bayern verkraften. Wo kriegen sie Druck? Sie müssen ja nur die Spiele gewinnen...»
 |