Ivica Olic ist einer der unauffälligen, bescheidenen Fußballer, wenn er den Platz verlässt. Die 90 Minuten davor macht es der Fleißarbeiter des Hamburger SV mit der Marathon-Lunge aber jedem Gegenspieler schwer.
Der 28 Jahre alte Kroate sagt über seinen Job als Profi und Stürmer: «Ich bin mit mir auch ohne Tor zufrieden, wenn ich in einem Spiel von der ersten bis zur letzten Minute gelaufen bin.» Als er Anfang 2007 von ZSKA Moskau in die Hansestadt kam, hatte er aber große Anlaufschwierigkeiten und wurde schnell als Arbeitsbiene ohne technische Qualitäten kritisiert.
Bereits bei seiner ersten Bundesliga-Station Hertha BSC scheiterte er 1998/99 nach sechs Monaten und nur zwei Partien. Das einzig Gute an Berlin war seine große Liebe Natalie, die er dort kennen lernte. Trainer Huub Stevens hielt jedoch immer an dem Nationalspieler fest. «Ivica Olic macht unheimlich viele Kilometer, geht stets weite Wege, das ist hervorragend. Durch einen solchen Einsatz entsteht die richtige Balance in der Truppe, nur dadurch kann man erfolgreich spielen», lautet die Beurteilung des Trainers über den emsigen Offensivspieler, der zu Beginn der Saison auf der linken Seite neben Rafael van der Vaart hinter der einzigen Spitze auflief.
«Zuerst war es eine Umstellung für mich, dann habe ich gemerkt, dass ich auch im Mittelfeld spielen kann», sagt Olic, der in 15 Spielen der vergangenen Saison fünf Tore schoss, nun aber bereits sechs Treffer auf dem Konto hat. Die Aufmerksamkeit der gesamten Bundesliga zog er auf sich, als ihm am 20. Oktober der erste Hattrick in der Geschichte des HSV gegen den VfB Stuttgart gelang.
Und als er im Wembleystadion im EM-Qualifikationsspiel beim 3:2 gegen England das 2:0 für sein Land erzielte, machte er sein bestes Spiel im Nationaltrikot. «Ich habe momentan das Gefühl, dass es richtig gut für mich läuft. Ich kann machen, was ich will, es passt einfach alles», sagt Olic, der die Ehrung zum bester DFL-Spieler des Monats Oktober vor dem Rostock-Spiel stolz entgegennahm und sie nur wenig später mit einem weiteren Treffer rechtfertigte. Kaum einer wusste, dass es ihm wegen Magen-Problemen ziemlich schlecht ging.
«Ivi», wie er von den Kameraden genannt wird, genießt seinen Lauf, der nicht selbstverständlich ist. Im Frühjahr 2005 lief es ähnlich gut, doch dann zog er sich einen Kreuzbandriss zu und war sieben Monate verletzt. Den hohen Kräfteverschleiß in den vergangenen Monaten, in denen der HSV durch den UI-Cup so viele Spiele wie kein anderer deutscher Erstligist absolvierte, steckt er gut weg. «Die Freude am Fußball lässt mich die Schmerzen vergessen», sagt er.
Dennoch sehnt er Weihnachten herbei, um Zeit für seine fußball- verrückten Söhne Antonio (5) und Luka (3) zu haben. «Zu Hause bin ich immer nur der Torwart», betont Olic lachend. Möglicherweise bringt der Weihnachtsmann auch die vom russischen Millionär Leonid Fedun versprochene Luxuskarosse, die Olic für seine Leistung gegen England bekommen soll. «Die nehme ich gern», sagt er ganz unbescheiden.