Lison hatte in dem TV-Interview gesagt: «Dass jemand über fünf Jahre lang solche Fehler macht und immer den gleichen, und so gravierend, das ist schon sehr bedrückend.» Der Mediziner vom Klinikum Bremen-Mitte erklärte weiter: «Also, eigentlich muss jeder normale Hausarzt das auch erkennen, und er hätte es auch sicher erkannt.» Lison hatte Klasnic das erste Mal vor zwei Jahren behandelt: «Wir haben ihn ja kennengelernt im Zusammenhang mit seiner eitrigen Blinddarmentzündung, und zu dem Zeitpunkt waren bereits 70 Prozent der Nierenfunktion verloren gegangen, unter Aufsicht verschiedener beteiligter Ärzte, ohne dass zielgerichtet eingegriffen worden ist.» Nach Lisons Angaben im Interview hätte die Nierenerkrankung bei den regelmäßigen sportmedizinischen Untersuchungen auffallen müssen: «Dort werden Blutuntersuchungen verlangt und körperliche Tests. Und in diesen Blutuntersuchungen war, wenn ich es jetzt richtig zitiere, 2001 schon nachweisbar, dass dort schwerwiegende Schäden sich abspielen, und es ist keine gezielte Maßnahme ergriffen worden, um dort einzugreifen.» Klasnic hatte nach langer Leidenszeit als erster Fußball-Profi nach einer Nierentransplantation ein Pflichtspiel in der Bundesliga absolviert und gegen Energie Cottbus 64 Minuten gespielt. Er ist damit der erste Bundesliga-Profi, der seinem Beruf mit einer Spenderniere nachgeht. Der 27-jährige Stürmer hatte zu Beginn des Jahres bei einer Transplantation in Bremen die Niere seiner Mutter erhalten, doch sein Körper stieß das Organ ab. Im März erhielt der kroatische Nationalspieler dann bei einer Operation in Hannover die Niere seines Vaters. Lison wies auch darauf hin, dass Radio Bremen «entgegen mehrerer ausdrücklicher Willenserklärungen meinerseits» das Interview gesendet habe. Ein Sprecher des Senders erklärte hingegen: «Presserechtlich ist das kein Problem. Wenn eine Kamera eingeschaltet ist, gibt es keine Vertraulichkeit.»
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