Alte Liebe rostet: Bielefelder Fans gegen Middendorp
Bielefeld (dpa) - 25.11.2007, 09:38 Uhr
Ernst Middendorp muss sich den Unmut der Fans anhören.
Der Held von gestern ist der Buhmann von heute. In wütenden «Middendorp-Raus»-Rufen entlud sich der Ärger der Fans über das 0:3 (0:2) beim VfL Bochum. Rund zwei Jahre nach seiner Wahl zum Bielefelder «Jahrhunderttrainer» und nur wenige Monate nach seiner erfolgreichen Rettungsmission gerät Ernst Middendorp zunehmend in Erklärungsnot. Die alarmierende Bilanz mit 1:21-Toren in den vorigen sechs Auswärtsspielen schürt Abstiegsängste. Dennoch wiederholte Geschäftsführer Roland Kentsch seinen Treueschwur für den Coach: «Wir führen keine Trainerdiskussion. Diese Aussage ist an Deutlichkeit nicht zu übertreffen - und ohne Konjunktiv.» Binnen drei Minuten gab es ein böses Erwachen aus dem Traum von einer Trendwende. Zwei kapitale Schnitzer des indisponierten Abwehrspielers Matthias Langkamp nutzte der Bochumer Angreifer Marcin Mieciel zum vorentscheidenden Doppelschlag (12./15.). Das 3:0 von Christoph Dabrowski (55.) besiegelte die Niederlage. Auf die Sprechchöre der Fans reagierte Middendorp zumindest nach Außen gelassen: «Das ist keine wunderbare Geschichte, aber beschäftigt mich definitiv nicht. Wir leben halt in einem Umfeld, in dem sich alles auf den Trainer fokussiert.»
Wie schnell ein vermeintlicher Wackelkandidat wieder zur festen Größe werden kann, stellt derzeit sein Bochumer Kollege Marcel Koller unter Beweis. Mit drei Siegen in Serie verabschiedete sich der Revierclub aus der Abstiegszone in das sichere Mittelfeld. Vor allem die Einzeltherapie von Koller für Mieciel zeigte Wirkung. Die vom Trainer zusammengestellten Videosequenzen sorgten beim Angreifer für mehr Biss: «Für ihn freue ich mich besonders. Er stand unter Druck und konnte bisher nicht das zeigen, was die Fans von ihm erwarten», sagte Koller. Von einem solchen Aufwärtstrend können die Arminen dagegen nur träumen. Noch beim Heimsieg über Nürnberg vor zwei Wochen schien es, als habe das Team die schlimmen Nachwirkungen der 1:8-Schlappe am 8. Spieltag in Bremen langsam aber sicher überwunden. Doch der personell ohnehin angeschlagenen Arminia, die kurzfristig auch noch auf die an einer Darmgrippe erkrankten Profis Mathias Hain und Markus Schuler verzichten musste, drohte in der Schlussphase eine noch höhere Niederlage. |