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Kahn wettert über «Wettbewerbsverzerrung»

München (dpa) - 25.11.2007, 13:21 Uhr

Mit für den Klassenunterschied der Bayern verantwortlich: Klose (l) und Ribery.
Mit für den Klassenunterschied der Bayern verantwortlich: Klose (l) und Ribery.

Oliver Kahn schimpfte über eine angebliche «Wettbewerbsverzerrung» und den abwanderungswilligen Willy Sagnol, Ottmar Hitzfeld dagegen schwärmte lieber über Matchwinner Franck Ribéry.

Am Abend vor dem 2:1 (1:0) gegen den VfL Wolfsburg hatte der Bayern-Trainer dem zuletzt schwächelnden Franzosen in einem langen Gespräch «Mut zugesprochen». Prompt brachte Wirbelwind Ribéry den Tabellenführer zurück auf Erfolgskurs und wurde von den 69 000 Zuschauern in der ausverkauften Münchner Arena mit donnerndem Applaus gefeiert.

«Franck ist schon Weltklasse. Er hat sensationell gespielt und uns mit zwei Einzelaktionen geholfen, drei Punkte zu holen», lobte Hitzfeld, während sein beim deutschen Rekordmeister im Januar entlassener Vorgänger Felix Magath eine zwiespältige Bilanz seiner Rückkehr nach München ziehen musste: «Bis auf das Ergebnis war es ein schöner Tag», sagte der VfL-Coach nach dem verpassten Punktgewinn.

Erst nach dem Anschlusstreffer von U 21-Nationalspieler Ashkan Dejagah (72.) brachte Magath mit seinem neuen Team seinen Ex-Club in Bedrängnis, was für Bayern-Kapitän Kahn einen simplen Grund hatte: Die Länderspiel-Strapazen. «Das ist ja ein Witz, wenn man sieht, wieviele Spieler von uns in der Weltgeschichte unterwegs waren und sich hier die letzten 20 Minuten quälen müssen. Das ist langsam Wettbewerbsverzerrung», polterte der Torhüter, der in Uli Hoeneß einen Verbündeten fand: «Wir haben 80 Prozent mehr Nationalspieler als der VfL Wolfsburg, das ist ein Riesennachteil. Da ist es normal, dass man am Ende in Schwierigkeiten kommt», sagte der Manager.

Ausgerechnet der vom Einsatz mit Frankreich sogar angeschlagen zurückgekehrte Ribéry demonstrierte jedoch, dass man auch nach Länderspielen auftrumpfen kann. Das 1:0 von Miroslav Klose (35.) bereitete er vor, Tor Nummer zwei schoss er selbst (50.). «Natürlich ist es anstrengend, alle drei Tage zu spielen. Aber ich habe immer Lust am Spielen und Gewinnen», sagte Ribéry zur Spielplan-Kritik von Kahn. Wichtig sei für ihn das positive Gespräch mit Hitzfeld gewesen und dabei zu spüren, «dass der Trainer zu mir steht».


Einmal mehr war zu sehen, wie abhängig der FC Bayern von der individuellen Klasse eines Ribéry und den Toren von Klose und Luca Toni ist, die jeweils neun Mal getroffen haben. Nach drei sieglosen Spielen, den Diskussionen um Hitzfeld und dem Streit mit den eigenen Fans beruhigte das Erfolgserlebnis die Situation beim Spitzenreiter. Allerdings wollte Kahn noch nicht Entwarnung geben: «Es bleibt eng, wir haben nur einen Punkt Vorsprung. Wir müssen aufpassen, dass wir die Herbstmeisterschaft nicht verpassen.»

«Ich hoffe, dass nach der kleinen Krise bei uns wieder die Ruhe einkehrt, die zu Saisonbeginn herrschte», kommentierte Hitzfeld. Ein frommer Wunsch, wie sich nach dem Sieg zeigte. Vize-Weltmeister Willy Sagnol sorgte mit der Ankündigung, den Verein im Winter trotz Vertrags bis 2010 verlassen zu wollen, gleich für neue Aufregung. Der Franzose, der nach seiner langwierigen Knieverletzung gegen Wolfsburg erstmals wieder auf der Bank saß, wurde von Kapitän Kahn heftig gerüffelt: «Wenn man sieben Monate verletzt war, muss man nicht so ein Theater machen. So geht es nicht.»

Auch Hitzfeld zeigte sich «überrascht» von Sagnols Aussagen und kündigte für Montag ein Gespräch mit dem Vize-Weltmeister an. «Ich habe große Wertschätzung ihm gegenüber», sagte Hitzfeld, der betonte, dass er Sagnol jetzt keine Spielpraxis verschaffen könne: «Wir sind in einer Phase, in der ich nichts riskieren kann.»

Magath dagegen verabschiedete sich in aller Ruhe von alten Bekannten und blieb bei seiner noch in München lebenden Familie. «Ich bin hier sehr gut aufgenommen worden», sagte er nach dem Wiedersehen mit Hoeneß & Co. Ansonsten ärgerte er sich über den «Fauxpas» von Abwehrspieler Peter van der Heyden beim 1:0 sowie eine verpasste Überraschung. Mit dem VfL sieht er sich trotzdem auf dem richtigen Weg: «Wir stehen da, wo wir hinwollten und hingehören: Im Mittelfeld. Und wir spielen attraktiven Fußball.» In München viel zu spät.

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