HSV lässt sich Zeit für Suche nach Stevens-Double
Hamburg (dpa) - 20.11.2007, 13:11 Uhr
Huub Stevens (l) und HSV-Chef Bernd Hoffmann bei der Pressekonferenz.
Autorität soll er ausstrahlen, Erfolge vorweisen und die Disziplin in der Multi-Kulti-Truppe des Hamburger SV hoch halten. Kurz: Der Vorstand des HSV sucht nach einem Stevens-Double für die Nachfolge des bisher so erfolgreichen niederländischen Trainers. Das Anforderungsprofil ist relativ klar, nachdem Huub Stevens die verunsicherte Bundesliga-Truppe vor neun Monaten auf Platz 18 übernahm, ihr eine straffe Ordnung sowie Hierarchie verpasste und sie zum Spitzenteam formte. «Stevens ist das Puzzlestück, das alles zusammengefügt hat, was hier vorhanden war», sagt der HSV-Vorstandsvorsitzende Bernd Hoffmann. Der HSV hatte am Vortag den Kampf um seinen Trainer verloren, den es wegen seiner kranken Frau Toos nach Saisonende in die niederländische Heimat zieht. Der 53-jährige Coach wird seinen Vertrag beim Bundesligisten zwar erfüllen, im Sommer aber zur PSV Eindhoven wechseln.
Was Stevens auszeichnet? «Konsequenz, Disziplin und eine klare Ansage», fasst der Clubchef zusammen, der keine Wasserstandsmeldungen über Nachfolger abgeben und sich viel Zeit bei der Suche nehmen will. Sogar Dietmar Beiersdorfer, der selbst seinen Job als Sportdirektor aufs Spiel setzte, als er zu lange an Vorgänger und Freund Thomas Doll festhielt, singt Lobeshymnen auf den eigenwilligen Stevens. «Wir sind sehr zufrieden. Er ist ein Trainer, der akribisch arbeitet und alle Mitarbeiter ernst nimmt», schwärmt Beiersdorfer. Zwar kommt Stevens nicht immer positiv in der Außendarstellung rüber - so legt er sich sogar nach Siegen mit Journalisten an - doch seine Erfolgsbilanz 2007 als bestes Bundesligateam des Kalenderjahres spricht für sich. Ein Jung-Trainer wie Doll es war, als er das Team als Regionalliga-Coach ebenfalls auf dem letzten Tabellenplatz von Klaus Toppmöller übernommen hatte, scheint als Kandidat ausgeschlossen. Zwar ging es auch mit dem heutigen Dortmunder Trainer bergauf bis in die Champions League, in der nächsten schweren Krise entpuppte sich der Sympathieträger aber als zu unerfahren und weich im Umgang mit den Spielern. Deswegen ist es fraglich, ob der ehemalige Hamburger Thomas von Heesen, der schon bei der Doll-Nachfolge im Gespräch war, passen würde. Den harten Stevens-Stil lieben sogar die Profis. «Die Nachricht war ein Schock», sagt Collin Benjamin. Auch Romeo Castelen findet es schade, dass sein Förderer bald weg ist. Er fordert allerdings, «nun noch mehr Gas zu geben». Und das will auch Stevens, der schon 2002 mit dem Pokalsieg des FC Schalke 04 bewiesen hat, dass die Motivation bis zum Saisonende reicht, auch wenn der Abgang lange geplant ist. Damals hatte er bei Hertha BSC unterschrieben. «Ich werde mich gut verabschieden, aber der Tag ist noch lange hin», sagt Stevens, der den UEFA-Cup-Teilnehmer gern in die Champions League führen würde.
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