Staudt: «Fußball hat gewisse autistische Züge»
Stuttgart (dpa) - 10.11.2007, 13:55 Uhr
Erwin Staudt fordert mehr Offenheit im deutschen Fußball.
Erwin Staudt, Präsident des VfB Stuttgart, hat den deutschen Fußball zu mehr Offenheit gegenüber dem Ausland aufgefordert. «In der Wirtschaft versucht man immer von den Besten zu lernen. Warum nicht im Fußball?», sagte er in einem Interview mit der «Stuttgarter Zeitung». Als Nachfolger von Erich Rutemöller, der demnächst als Chef-Ausbilder beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) altershalber ausscheidet, wünscht sich Staudt deshalb «einen international anerkannten Fachmann» und schlägt einen Trainer aus dem Ausland vor. «Im Geschäftsleben ist es ganz normal, dass man guckt, was die anderen machen. Im Fußball glaubt man jedoch oft, das sei ein Zeichen von Schwäche. Dabei ist es Stärke», erklärte der frühere IBM-Manager. Diese Einstellung gelte jedoch nicht nur für Deutschland. «Das ist typisch für den Fußball insgesamt. Er hat gewisse autistische Züge. Aber ich glaube, das sich auch da in den nächsten Jahren etwas ändern wird.» Nach den schlechten Ergebnissen des VfB Stuttgart sowie von Schalke 04 und Werder Bremen in der Champions League und der Diskussion um die Probleme des deutschen Fußballs macht Staudt vor allem eines «nachdenklich»: «Zuletzt habe ich von verschiedenen Seiten gehört, dass uns Spanien, England oder Frankreich in der Trainerausbildung um Jahre voraus sind.»
Das Argument, dass die deutschen Mannschaften über weitaus weniger Fernseheinnahmen verfügen als beispielsweise die Engländer oder Italiener, lässt der Präsident des deutschen Meisters nur bedingt gelten. So gelänge es dem FC Porto immer wieder, Talente heranzuziehen und teuer zu verkaufen. «Das beweist: Wer kontinuierlich arbeitet, kann im Europapokal bestehen.» Gleichzeitig räumt Staudt ein, dass die vielen Sponsorengelder für den deutschen Fußball die Nachteile bei den TV-Einnahmen nicht ausgleichen. «Das liegt am verschwindend geringen Anteil des Pay TV. Eigentlich müsste man da klar sagen: Statt über die internationalen Schwächen zu jammern, sollten die Leute lieber einen Premiere-Vertrag unterschreiben.»
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