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DFL verkauft Vermarktungsrechte an Leo Kirch

Frankfurt/Main (dpa) - 09.10.2007, 19:43 Uhr

Leo Kirch bei einem Pressetermin im Februar 2006.
Leo Kirch bei einem Pressetermin im Februar 2006.

Fünf Jahre nach dem nur knapp abgewendeten Finanz-Debakel macht die Fußball-Bundesliga wieder Geschäfte mit Leo Kirch. Der einstige Medienmogul wird mit seiner neugegründeten Firma Sirius als Zwischenhändler von 2009 an die Medienrechte an der Fußball-Bundesliga vergeben.

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) kassiert dafür in sechs Jahren insgesamt drei Milliarden Euro, für die ein Bankunternehmen garantiert. Dies gab Ligaverbands-Präsident Reinhard Rauball nach der außerordentlichen Mitgliederversammlung der 36 Profivereine in Frankfurt/Main bekannt. «Für den deutschen Profi-Fußball ist dies ein großer Schritt in die Zukunft», sagte Rauball.

Die TV-Rechte sollen im Frühjahr 2008 für die nächsten zwei Vergabeperioden von der DFL ausgeschrieben und von Sirius vermarktet werden. Der künftige Rechteinhaber muss jährlich ebenfalls Bankbürgschaften beibringen. Sirius, eine Tochtergesellschaft von Kirchs neuem Unternehmen KF 15, wird der DFL-Geschäftsführung direkt berichten. Die DFL gründet zudem eine Auslandsgesellschaft zur internationalen Vermarktung, die im Zeitraum von 2009 bis 2015 Erlöse von etwa 460 Millionen Euro erbringen soll.

Dies würde die Gesamt-Einnahmen für sechs Jahre auf 3,45 Milliarden Euro erhöhen. In der laufenden Rechteperiode erlöst die Liga rund 1,3 Milliarden Euro. «Damit verfügt die Bundesliga über die größte finanzielle Absicherung ihrer Geschichte», sagte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert.

Auf einer sechsstündigen Marathon-Sitzung im Hotel «Frankfurter Hof» wurden die Vereine über die Details der Kirch-Offerte informiert. Mit einem Viertel Enthaltungen und nur einer Gegenstimme vom Hamburger SV wurde der Deal schließlich mit einer Dreiviertelmehrheit abgesegnet. «Wir haben im Vorstand intensiv darüber diskutiert und uns ausgiebig mit der Zukunft der Bundesliga befasst», berichtete Rauball.


Durch die von Kirch garantierte Summe von jährlich 500 Millionen Euro erhöhen sich die TV-Einnahmen für die Profivereine um fast 20 Prozent. Bislang kassiert die Liga pro Saison etwa 420 Millionen Euro. Sollte bei der Vermarktung ein Überschuss erzielt werden, ist die DFL daran anteilig beteiligt. Die künftigen Rechteinhaber sollen von der Kirch-Firma Sirius mit einem Bundesliga-TV, zu dem komplette Spielberichte und Interviews gehören, versorgt werden. Dies gilt jedoch nur für die Live-Berichterstattung im Bezahlfernsehen.

Zur Produktion des fertigen Sendeformats wollen DFL und Sirius ein gemeinsames Unternehmen gründen. An diesem wird die Kirch-Firma mit 51 Prozent der Anteile die Mehrheit halten. «Damit wird die journalistische Unabhängigkeit gewährleistet», erklärte Seifert. Den Free-TV-Sendern soll das fertige Produkt laut Seifert nicht angeboten werden. Dem Bezahlsender Premiere soll im kommenden Bieterverfahren die Möglichkeit eines präferierten Angebotes eingeräumt werden.

Premiere lehnte eine Ausstrahlung von fertig produzierten Live-Übertragungen der Fußball-Bundesliga bereits ab. Die eigene Produktion sei ein vom Gesamtprodukt nicht zu trennendes Element, sagte Premiere-Vorstandsmitglied Carsten Schmidt. «Wir verkaufen ein hochwertiges Produkt und wollen das auch in Zukunft tun, dazu gehört auch die eigene journalistische Leistung.» Das Geschäftsmodell von Premiere funktioniere nicht mit einem fertig produzierten Produkt. «Wir garantieren unseren Kunden journalistische Unabhängigkeit, die werden wir nicht aufgeben», betonte Schmidt.

Premiere möchte die Berichterstattung im Free-TV, derzeit samstags ab 18.30 Uhr in der ARD-Sportschau», zeitlich nach hinten verschieben. «Wir werden wie beim letzten Mal mehrere Rechtepakete anbieten», sagte Seifert. Daher könne man jetzt noch keine konkreten Aussagen über Spielplan- und Verwertungsszenarien machen.

Vor fünf Jahren hatte Kirch mit seinen Unternehmen, zu denen damals unter anderen Premiere und der TV-Konzern ProSiebenSat.1 gehörten, Insolvenz angemeldet und für eine der größten Pleiten in der deutschen Wirtschaftsgeschichte gesorgt. Berührungsängste aufgrund der Vergangenheit hatte es bei der DFL-Spitze aber kaum gegeben. Seit Wochen hatte die Ligaspitze Gespräche mit Kirch und dessen langjährigem Vertrauten und Geschäftspartner Dieter Hahn geführt. «Die Vergangenheit hat keine entscheidende Rolle gespielt», sagte Rauball.

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