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Teamsitzung statt Trainertagung für VfB-Coach Veh

Karlsruhe (dpa) - 03.09.2007, 13:28 Uhr

Stuttgarts Trainer Armin Veh sieht Gesprächsbedarf.
Stuttgarts Trainer Armin Veh sieht Gesprächsbedarf.

Als Krisenmanager sieht sich Armin Veh auch nach der bitteren Pleite im prestigeträchtigen Derby noch nicht gefordert, aber der Meistermacher hat verstärkten Gesprächsbedarf: Statt zur Trainertagung nach Hamburg zu reisen, bat der 46-Jährige seine Spieler zur Aussprache.

«Da gebe ich nicht den Alleinunterhalter. Die Mannschaft soll auch etwas sagen», kündigte Veh nach dem 0:1 (0:0) des VfB Stuttgart beim Aufsteiger Karlsruher SC an. Eine Brandrede hatten die Profis vor ihren Länderspielreisen jedoch nicht zu erwarten. «Es ist mir wichtig, dass man nicht in Hysterie ausbricht, sondern sachlich bleibt. Ich bin Fußball-Lehrer und werde das mit der Mannschaft so analysieren, dass es uns auch etwas bringt.»

Nervosität ist trotz Platz 15 und mageren vier Punkten aus vier Spielen bei den Stuttgartern noch nicht auszumachen, auch wenn seit dem späteren Absteiger 1. FC Nürnberg im Jahr 1968 kein deutscher Fußball-Meister so schlecht in eine Bundesliga-Saison gestartet ist. Statistiken kann Veh aber generell nicht viel abgewinnen, und so übte sich der «Trainer des Jahres» in Tabellen-Arithmetik: «Wenn wir drei Punkte mehr haben, wären wir Zweiter. So weit sind wir also nicht weg», sagte Veh und fügte mit einem Schmunzeln hinzu: «Bayern wird eh' Erster, es geht also nur um Platz zwei.»

Ernster wurde Vehs Miene, als es um die miserable Stuttgarter Chancenauswertung ging. Vor allem Neuzugang Ciprian Marica, der nach agilem Saisonbeginn seine schwächste Bundesliga-Partie bot und mehrere klare Möglichkeiten vergab, musste sich deutliche Worte anhören: «Er muss lernen, dass es in der Bundesliga anders zugeht als in der Ukraine. Aber er ist erst 21, er wird das noch lernen.»

Wie im Vorjahr hat der VfB zwei der vier Auftaktspiele verloren, doch im Gegensatz zur Vorsaison schwächeln die Schwaben nun auswärts. Wie beim 1:3 bei Hertha BSC machte Stuttgart keineswegs überzeugende Heimmannschaften durch eine zu wenig konsequente Spielweise erst stark. «Wir haben das Spiel hergeschenkt. Da müssen wir uns anders präsentieren», sagte Teammanager Horst Heldt, und Vereinspräsident Erwin Staudt vermisste das «kämpferische Element». Über Erfahrung mit Abstürzen nach Meistertiteln verfügt der VfB: 1985 sprang nur Platz zehn heraus, 1993 wurde das Team unter Christoph Daum nur Siebter.


Die badischen Gastgeber hatten gleich dreifachen Grund zum Feiern. Mittelfeldspieler Tamas Hajnal verzückte mit seinem Kontertor in der 54. Minute die badischen Fans unter den 29 849 Zuschauern im ausverkauften Wildparkstadion. Der ungarische Neuzugang war als Mittelfeldmotor an allen vier bisherigen KSC-Toren beteiligt. Trainer Edmund Becker wollte aber nach geglücktem Sprung ins Mittelfeld nicht in das Triumphgeheul der Anhänger einstimmen. «Für mich war das nicht unbedingt ein schönerer Sieg, wir haben die drei Punkte einfach dringend gebracht», sagte er unaufgeregt wie immer.

Die befürchteten Ausschreitungen beim ersten «Ländle»-Derby in der Bundesliga seit neun Jahren blieben aber dank der präsenten 1000 Sicherheitskräfte aus. Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) sieht sogar ein Ende der badisch-schwäbischen Dauerrivalität in Sicht: «Ich bin sicher, dass VfB und KSC eher Partner werden als Dortmund oder Schalke.» Die gute Stimmung in Karlsruhe wurde gekrönt durch die Einigung des Vereins mit der Stadt über die Mietkonditionen in einem zur Fußball-Arena umgebauten Stadion. Nun könnten in der Winterpause 2008/09 die Bagger rollen.

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