Ein Ballyhoo fast wie bei Bayern München: Felix Magath hat dem VfL Wolfsburg bei seinem ersten Auftritt für den neuen Arbeitgeber so viel Aufsehen verschafft, wie es der beschauliche Bundesligist letztmals bei der Präsentation von Stefan Effenberg erfahren hat.
«Ich bin wieder zurück. Die Pause war lang, aber ich habe die Zeit gebraucht», sagte der neue VfL-Geschäftsführer in der Funktion als Cheftrainer und Sportdirektor, als er exakt um 12.04 Uhr vor die zahlreichen Medienvertreter in den überfüllten Presseraum des niedersächsischen Fußball-Clubs trat.
Der 53 Jahre alte Fußball-Lehrer wirkte nach seiner viereinhalbmonatigen Bundesliga-Pause, die Ende Januar mit der Entlassung bei Bayern München begonnen hatte, gut erholt und prächtig gelaunt. Vor allem aber tatendurstig. «Es kann nicht mein Ziel sein, im Mittelfeld zu landen. Titel sind für mich das Maß der Dinge», sagte der einstige Mittelfeld-Regisseur zuversichtlich. Die ganz großen Ziele könnten nicht kurzfristig erreicht werden. Aber perspektivisch sei in Wolfsburg vieles möglich. «Die Umfeldbedingungen mit dem VW-Konzern im Rücken dafür sind da. Sonst wäre ich nicht gekommen.»
Magath weiß die neue Führung der Volkswagen AG mit ihrer 90-prozentigen Tochter VfL Wolfsburg Fußball GmbH bedingungslos hinter sich. «Felix Magath ist der richtige Mann für die Weiterentwicklung im sportlichen Bereich. Er hat genau die Qualitäten, die wir gesucht haben», sagte der erst seit einer Woche arbeitende neue Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch. Man habe sich von dem «englischen Modell» leiten lassen, bei dem eine Person die Fäden in der Hand hat. «Es ist ein sehr schlüssiges Konzept entstanden», sagte Pötsch. Für dessen Umsetzung sei Magath prädestiniert.
Pötsch wies allerdings Spekulationen zurück, wonach der mit einer Macht wie keiner seiner Bundesliga-Kollegen ausgestattete Magath nun nach Belieben auf dem Transfermarkt tätig werden könne, um das sportliche Potenzial zu erhöhen. «Wir sehen den bisherigen finanziellen Rahmen durchaus als ausreichend an», bestimmte er unmissverständlich. Der VfL hat die kommende Bundesliga-Saison mit einem Gesamtetat von rund 60 Millionen Euro geplant.
Auf Millionengeschenke ist der neue starke Mann, der sich an seiner siebten Bundesliga-Station bis 2010 an den VfL gebunden hat, auch nicht aus. «Mir ist wichtig, dass ich etwas aufbauen kann. Dass ich das kann, habe ich schon des öfteren bewiesen», betonte Magath. Mit den Bayern gewann er zuletzt zwei Mal das Double in Meisterschaft und Pokal, den VfB Stuttgart hatte er zuvor in die Champions League geführt. Er glaubt, dass Modelle aus anderen Ligen, wo Vereine von großen Konzernen oder auch finanzstarken Einzelpersonen bestimmt werden, auch in Deutschland Schule machen werden.
Magath schloss übereilte Schritte an seinem neuen Arbeitsplatz aus. «Ich muss mir erst ein Bild verschaffen, sowohl von den Spielern als auch von dem Umfeld», erläuterte der Europameister von 1980. Danach werde er auch personelle Entscheidungen treffen, möglicherweise noch vor dem Trainingsauftakt am 27. Juni. «Wir haben zwei Stürmer abgegeben und nur einen dazubekommen», bestimmte Magath eine zu schließende Lücke. Der VfL hat bislang in den beiden rumänischen Offensivkräften Sergiu Radu und Vlad Munteanu lediglich zwei namhafte Zugänge zu verzeichnen.