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Favre wird Hertha-Coach - FCZ-Chef: Noch nicht klar

Berlin (dpa) - 01.06.2007, 20:36 Uhr

Lucien Favre soll der neue Trainer von Hertha BSC Berlin werden.
Lucien Favre soll der neue Trainer von Hertha BSC Berlin werden.

Der Schweizer Trainer des Jahres hat dem stürmischen Werben der «alten Dame» nachgegeben. Offensiv-Liebhaber Lucien Favre soll Hertha BSC nach einer verkorksten Saison in der Fußball-Bundesliga neuen Schwung verleihen.

Der FC Zürich als bisheriger Verein des Meistertrainers auf seiner Internetseite und auch Hertha BSC teilten dies mit. Für heftige Verwirrung sorgte jedoch das Dementi von FCZ- Präsident Ancillo Canepa, der im Gespräch mit dem InfoRadio des rbb erklärte, es gebe keine Ausstiegsklausel für den 49-jährigen Favre. «Er kann nur den Vertrag auflösen, wenn wir, der FC Zürich, einverstanden sind. Diesbezügliche Gespräche haben bisher nicht stattgefunden», sagte Canepa.

«Dazu ist uns nichts bekannt. Favre wird am 2. Juni auf einer Pressekonferenz sicher dazu Stellung nehmen», erklärte Hertha-Sprecher Hans-Georg Felder, der von der Aussage Canepas überrascht wurde. Springender Punkt ist die Ausstiegsklausel, nach der Favre vor Ablauf seines Vertrages 2008 für eine Ablösesumme von rund 200 000 Euro zu einem anderen Verein wechseln kann. Darin soll stehen, dass auch der FCZ dem Wechsel zustimmen muss. Es darf davon ausgegangen werden, dass die Züricher damit mehr Ablöse herausschinden wollen.

Favre, der Wunschkandidat der Herthaner, hatte seinen Abschied vom FC Zürich, mit dem er zwei Meisterschaften und einen Pokalsieg erkämpfte, dem Verwaltungsrat mitgeteilt. Er tauscht damit einen möglichen Startplatz in der Champions League gegen eine sportliche Herausforderung und ein angeblich mehr als drei Mal so hohes Gehalt ein. Spekulationen in Berliner Medien gehen von einem Verdienst Favres bei Hertha von rund 800 000 Euro aus.

In Berlin hat sich Favre hohe Ziele gesteckt. «Ich bin sehr ehrgeizig, will natürlich Titel gewinnen», erklärte der Schweizer in einem Interview der Tageszeitung «BZ». Favre stellt darin klar, das das Geld für seinen Wechsel keine Rolle gespielt habe. «Für mich ist wichtig, dass das Drumherum, wie Stadion und Trainingsbedingungen, passt. Das ist in Berlin absolut der Fall.»


Favre sieht den Job als eine «unglaubliche» Herausforderung. «Wenn ein solcher Verein anfragt, muss man sich ernsthaft Gedanken machen. Hertha wollte mich unbedingt, das hat mir imponiert», sagte der Coach, der schon weiß, was ihn in Berlin erwartet. «Ich habe davon gehört, dass es eine schwierige Mannschaft sein soll. Aber dazu kann ich nichts sagen, will die Spieler erst einmal kennen lernen.»

Wie der Verein mitteilte, hat man sich mit Favre auf einen Dreijahresvertrag bis 2010 geeinigt. «Wir sind sehr froh, dass wir unseren Wunschtrainer unter Vertrag nehmen konnten», sagte Manager Dieter Hoeneß. «Lucien Favre passt sowohl sportlich als auch menschlich hervorragend zu Hertha BSC und nach Berlin.»

Karsten Heine, der den Bundesligisten als Nachfolger von Falko Götz in den letzten sechs Saisonspielen betreut hatte, kehrt ins zweite Glied zur U23-Mannschaft zurück, die gerade aus der Regionalliga abgestiegen ist. Favre ist nach dem Bochumer Marcel Koller, Hanspeter Latour (1. FC Köln) und Martin Andermatt (SSV Ulm, Eintracht Frankfurt) der vierte Schweizer Trainer in der Bundesliga-Geschichte. Bei Hertha BSC standen in dem Ungarn Pal Csernai und dem Niederländer Huub Stevens vor ihm erst zwei ausländische Cheftrainer unter Vertrag.

Dieter Hoeneß war zuvor nach Zürich geflogen, um den offenbar unsicher gewordenen Favre nochmals vom Wechsel nach Berlin zu überzeugen. Auch der FCZ hatte um den West-Schweizer geworben, der gerade zum zweiten Mal nacheinander Trainer des Jahres in seiner Heimat geworden war. Der 24-malige Nationalspieler gilt als Anhänger des offensiven Fußballs, der auch einen Blick für Talente hat.

Mit Hertha BSC machte er Ende 2001 Bekanntschaft: Damals warf er die Berliner mit Servette Genf aus dem UEFA-Cup. Nach einem 0:0 in Genf siegte Servette im Rückspiel 3:0 im Olympiastadion und fügte den Hauptstädtern eine der schmerzlichsten Niederlagen in ihrer Europapokal-Geschichte zu. Für Servette war der zweifache Familienvater auch als Spieler aktiv. Weitere Stationen waren Yverdon-Sports und der FC Echallens. Als Trainer betreute er außer dem FC Zürich und Servette auch Yverdon.

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