Augenthaler ging leise, Frontzeck mit Donnerwetter
Wolfsburg/Aachen (dpa) - 20.05.2007, 13:13 Uhr
Aachens Trainer Michael Frontzeck (l) entzieht Jan Schlaudraff da Vertrauen.
Der eine sagte zum Abschied leise grantelnd Servus, der andere ging mit einem Donnerwetter. Für Klaus Augenthaler und Michael Frontzeck war der 34. Spieltag der vorerst letzte als Trainer in der Fußball-Bundesliga. Während Augenthaler bei aller Verbitterung noch verhältnismäßig unaufgeregt die Vorstands- Entscheidung seiner Entlassung beim VfL Wolfsburg kommentierte, zog Frontzeck überraschend selbst einen Schlussstrich und begann umgehend mit der Abrechnung. «Einige Leute haben der sportlichen Leitung Knüppel zwischen die Beine geworfen. Das macht mich krank», schimpfte er in Richtung des Aufsichtsrates von Absteiger Alemannia Aachen. Der ehemalige Gladbacher, Anfang September als Nachfolger von Dieter Hecking an den Tivoli gekommen, wollte mit dem Entschluss seiner Entlassung zuvorkommen. «Meine Person war vom ersten Tag an belastet, aber das ist mir erst später bewusst geworden», sagte Frontzeck nach dem 0:4 beim Hamburger SV und sprach dem Aufsichtsrat jeglichen Sachverstand ab. Einige Personen hätten dem Verein sogar geschadet. Den Entschluss, der nach dem 2:2 in der Vorwoche gegen Wolfsburg gereift sei, teilte der 43-Jährige nach der Presse auch der bis dahin ahnungslosen Mannschaft mit. Die «Ehe» hielt nur 249 Tage.
Bei Augenthaler hatte sich die «Scheidung» schon in den vergangenen Wochen abgezeichnet, der Zeitpunkt kam aber überraschend. «Die Verantwortlichen sind übereinstimmend zu dem Ergebnis gekommen, dass eine Neuorientierung innerhalb der sportlichen Leitung erforderlich ist», sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Lothar Sander unmittelbar nach der 0:2-Niederlage gegen Werder Bremen. Augenthaler, dessen Vertrag erst im Winter bis 2009 verlängert worden war, hatte am Vorabend des Spiels die Nachricht von seiner Ablösung erhalten. Die Worte Sanders nahm der Weltmeister von 1990 nach außen gefasst zur Kenntnis, doch die Verbitterung über seine dritte Entlassung (nach Nürnberg 2003 und Leverkusen 2005) war ihm anzumerken. «Ich hätte mich auch gefühllos auf die Bank setzen können, doch dafür bin ich zu sehr Fußballer», erklärte der 49-Jährige und zog ein positives Fazit seiner Arbeit. «In den 18 Monaten haben wir das Fundament gelegt, dass der VfL in Zukunft mit einem neuen Cheftrainer und einigen Verstärkungen nicht mehr gegen den Abstieg spielen muss.» |