Die Skepsis des mächtigen Arbeitgeberpräsidenten speiste sich auch aus den letzten, weniger glücklichen Trainerjahren des Armin Veh. Bei Hansa Rostock warf er selbst das Handtuch: «Das war der größte Fehler meiner Trainer-Karriere.» Der bayerische Schwabe weist immer gerne darauf hin, das der VfB-Coup nicht sein erster Titel war: «Nur kann man mit Reutlingen, Rostock oder Augsburg eben in der Bundesliga kein Meister werden.» Der prinzipientreue Veh kennt die Mechanismen der Branche. Dazu gehört, dass er nur Einjahresverträge akzeptiert oder sich auch im Erfolgsfall nicht die Haare abschneiden lässt. An den Medienrummel hat sich Veh gewöhnt, anders als früher lässt er die Frage-Antwort- Runde gelassener über sich ergehen. Trotz oder gerade wegen des wachsenden Drucks wurden Stuttgarter Pressekonferenzen zuletzt immer mehr zu Slapstick-Veranstaltungen, bei denen sich Veh und der Rheinländer Heldt verbal die Bälle zuspielten. «Ich wäre gerne Spieler bei Armin», sagte Heldt einmal und bekam ob seines beginnenden Bauchansatzes Vehs volle Breitseite ab: «Das hast du auch nötig.» In der täglichen Trainingsarbeit auf dem Platz hält sich Generalist Veh zurück, überlässt die Anweisungen Co- Trainer Alfons Higl und Konditionscoach Christian Kolodziej. Mit verschränkten Armen aus der Ferne gewinnt er Erkenntnisse für so manche Mannschaftsaufstellung. «Er ist eher der ruhige Typ, setzt auf Eigenverantwortung und darauf, dass die Jungs nach dem Training noch einmal 20 Flanken von sich aus schlagen», berichtet Torwart Timo Hildebrand. Aberglaube ist wie so oft im Profifußball auch bei Veh extrem ausgeprägt. Ins Spiel geht er mit einem Dreitage-Bart, vor dem Anpfiff muss ihm ein Betreuer immer die gleiche Trinkflasche in die Hand drücken. Sein bester Glücksbringer hat nun endgültig ausgedient: Der graue Anzug soll für einen sozialen Zweck versteigert werden. Das gute Stück wurde in den Bier- und Champagnerduschen völlig ruiniert.
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