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Augenthaler zornig über VfL - Werder muss ran

Wolfsburg (dpa) - 20.05.2007, 11:06 Uhr

Wolfsburgs Trainer Klaus Augenthaler vor seinem letzten Spiel in Wolfsburg.
Wolfsburgs Trainer Klaus Augenthaler vor seinem letzten Spiel in Wolfsburg.

Die Gesichtszüge erstarrt, die Worte verbittert, der Abgang kurz und schmerzlich: Nur drei Monate nach seiner Vertragsverlängerung bis 2009 nahm Trainer Klaus Augenthaler sein Aus beim Fußball-Bundesligisten VfL Wolfsburg mit Groll und Unverständnis zur Kenntnis.

Der Dank seines Arbeitgebers für die geleistete Arbeit erreichte den 49 Jahre alten Fußball-Lehrer kaum noch und muss nach der dritten Entlassung als Trainer wie Hohn in seinen Ohren geklungen haben. Denn Gleiches war Augenthaler zuvor schon beim 1. FC Nürnberg und bei Bayer Leverkusen widerfahren.

Die «Scheidung» hatte sich in den vergangenen Wochen abgezeichnet, der Zeitpunkt kam aber überraschend. «Die Verantwortlichen sind übereinstimmend zu dem Ergebnis gekommen, dass eine Neuorientierung innerhalb der sportlichen Leitung erforderlich ist», sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Lothar Sander unmittelbar nach der 0:2 (0:0)-Niederlage im Nordderby gegen Werder Bremen. Die Entscheidung sei im «gegenseitigen Einvernehmen» mit Augenthaler, dessen Vertrag erst im Winter verlängert worden war, getroffen worden.

Augenthaler nahm die Aussage regungslos zur Kenntnis. «In den 18 Monaten haben wir das Fundament gelegt, dass der VfL in Zukunft mit einem neuen Cheftrainer und einigen Verstärkungen nicht mehr gegen den Abstieg spielen muss», meinte der 49 Jahre alte Weltmeister von 1990, der eine im Vertrag festgeschriebene Abfindungssumme erhält, einsilbig.

Mit dieser Ansicht stand «Auge» freilich ziemlich allein. Unter seiner Federführung gelangen dem VfL in 51 Bundesliga-Partien lediglich zehn Siege. In der Saison 2005/2006 rettete sich der Werksclub erst am letzten Spieltag vor dem Abstieg, in dieser am vorletzten. Kaum auszudenken, wenn der VfL in der Winterpause nicht noch einmal Millionen für den Kauf des brasilianischen Mittelfeldstars Marcelinho investiert hätte, der das Horror-Szenario mit wichtigen Toren und Vorlagen verhinderte.


Vom angekündigten spielerischen Aufschwung war indes kaum etwas zu sehen, vom einst für 2007 avisierten Anklopfen an die Champions League schon gar nicht. Das Thema wird auch für den Neuen - der Vierte innerhalb von nur zwei Jahren - tabu sein. Wer auch immer das sein wird, muss gemeinsam mit dem ebenfalls gesuchten neuen Sportdirektor erst die zahlreichen Brandherde löschen, die aus der verfehlten Personalpolitik der vergangenen Jahre resultieren.

Wie in der Branche üblich kursierten bereits vor Augenthalers Abschied Namen eines möglichen Nachfolgers. Die in Diensten des österreichischen Meisters Red Bull Salzburg stehenden Lothar Matthäus (Trainer) und Oliver Kreuzer (Sportdirektor) standen ganz oben auf der Liste, bekundeten jedoch bereits ihr Desinteresse. «Wenn wir die Entscheidung getroffen haben, werden wir sie zeitnah bekannt geben», versprach Sander.

Ähnliche Turbulenzen blieben dem norddeutschen Rivalen in dieser Saison erspart. Das magere Abschneiden nach der hoffnungsvollen Hinrunde hat Werders Verantwortliche aber nicht eben zu Jubelposen animiert. «Natürlich hatten wir uns mehr erhofft und sind enttäuscht», gestand Geschäftsführer Klaus Allofs ein. Vor Werder steht wie 2005 die Pflichtübung, nach Rang drei in der Bundesliga über die Qualifikationsrunde doch noch zum vierten Mal in Folge die Champions League zu erreichen.

Markus Rosenberg ist dafür einer der größten Hoffnungsträger. Der erst in der Winterpause verpflichtete Schwede schoss die Bremer mit seinen Saisontoren sieben und acht in nur 14 Partien (54./87.) vor 30 000 Zuschauern zum versöhnlichen Saisonausklang und weckte neue Hoffnungen.

«Wenn er in der nächsten Saison auch international spielberechtigt ist, wird Markus zeigen, wie wertvoll er für uns ist», sagte Allofs zuversichtlich. Mit einem Hintergedanken? So ganz aus der Welt ist der Abschied von Miroslav Klose trotz gegenteiliger Bekundungen angesichts des momentanen Kaufrausches der Münchner Bayern vielleicht doch noch nicht.

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