Die Enttäuschung über die verpasste UI-Cup-Teilnahme hielt sich bei Borussia Dortmund nach dem 1:2 (0:1) bei Bayer 04 Leverkusen in Grenzen.
«Wir hätten das gerne mitgenommen. Diesmal war der Fußball-Gott nicht auf unserer Seite, aber in den vergangenen Wochen ist er schon oft bei uns präsent gewesen», meinte BVB-Chefcoach Thomas Doll. Für Abwehrspieler Dede wäre der Einzug in den kleinen europäischen Wettbewerb eine Nummer zu viel gewesen: «Nach allem, was passiert ist, hätten wir es nicht verdient gehabt.»
Mit ähnlichem Realitätssinn zog Kapitän Christian Wörns nach einer Bundesliga-Achterbahnfahrt am Saisonende Bilanz. «Wir sind nicht im UI-Cup, doch wir standen vor ein paar Wochen noch auf dem 17. Platz», sagte er, «solche Turbulenzen wollen wir nicht mehr erleben.» Dass man aus dem Abstiegs-Schlamassel wieder rausgekommen ist, schreibt er «Retter» Doll zu, unter dessen Ägide fünf von neun Spielen gewonnen wurden. «Er kam an die Köpfe der Spieler ran und hat mit seiner positiven Art Blockaden gelöst», so Wörns.
Nach dem bereits zuvor gesicherten Klassenverbleib und dem 2:0 im brisanten Derby gegen Schalke 04 fehlte den BVB-Profis gegen Bayer die Energie zum erneuten Aufbäumen. Stefan Kießling (45. Minute) und Simon Rolfes (54.) besorgten das 2:0 für das Werksteam, Ebi Smolareks (79.) Anschlusstreffer kam zu spät. «Vielleicht war nach dem Derby die Luft etwas raus. Die Spieler wurden dafür die ganze Woche gefeiert», stellte Doll ohne Gram fest. Dass ausgerechnet sein mit ihm in Abstiegsnot geratener Hamburger SV das UI-Cup-Rennen machte, kommentierte er fair: «Ich freue mich für den HSV.»
In der kommenden Spielzeit will er daran gehen, das angekratzte Renommee des Branchenriesen wieder aufzupolieren. «Ich bin überzeugt, dass wir uns so aufstellen, dass man wieder mit Hochachtung von Dortmund sprechen wird», sagte Doll.» Dies hofft auch BVB-Präsident Reinhard Rauball, der sich beim Saisonfinale versöhnlich gab: «Die Mannschaft kann erhobenen Hauptes in die Sommerpause gehen.»
Nicht mehr zurückkehren wird Christoph Metzelder, der sein letztes Spiel für den BVB machte und wohl zu Real Madrid wechselt. «Am Ende bleiben viele versöhnliche Gefühle», so der Nationalspieler, «die sieben Jahre sind nicht immer stromlinienförmig verlaufen, auch die Vereinskrise kam dazu, aber insgesamt war es eine tolle Zeit.»
Einen personellen Umbruch wird es bei Bayer 04 geben, bei dem angeführt von Torwart Jörg Butt, Stürmer Andrej Woronin und Verteidiger Juan gleich sechs Spieler verabschiedet wurden. «Wir sind mit Platz fünf und dem Erreichten zufrieden», resümierte Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler, dessen Club den UEFA-Cup-Einzug schaffte und zum neunten Mal in zehn Jahren auf europäischer Bühne steht.
Die Leverkusener planen zudem den Angriff auf die Bundesligaspitze und investieren dafür kräftig. Torschützenkönig Theofanis Gekas, Verteidiger Lukas Sinkiewicz, das chilenische Talent Arturo Vidal, Hans Sarpei und Rückkehrer Sascha Dum stehen als Neuzugänge fest. Mindestens ein Spieler soll noch hinzukommen. «Wir werden bestens für die kommende Saison aufgestellt sein und wollen den Abstand zu den vier Teams verkürzen, die oben stehen», hofft Völler.