Rekordmeister Scholl feiert «geilen Abschluss»
München (dpa) - 20.05.2007, 09:41 Uhr
Die Bayern-Mannschaft stemmt Mehmet Scholl nach seinem Tor in die Höhe.
Rekordmeister Mehmet Scholl strahlte vor Glück, Manager Uli Hoeneß war traurig und vergoss Tränen - die bewegende Abschiedsvorstellung des dienstältesten Bayern-Profis weckte beim entthronten deutschen Meister große Gefühle. Und wenigstens am Ende einer verkorksten Bundesliga-Saison lief beim FC Bayern alles nach Wunsch: Beim lockeren 5:2 (3:0) gegen Absteiger FSV Mainz 05 hatten die Münchner Fans noch einmal die pure Freude an ihrem «Scholli». «Es war einfach ein geiler Abschluss», schwärmte der 36 Jahre alte Rekordgewinner von acht Meistertiteln, und für einen Moment vergaßen in München alle den Ärger über ein titelloses Jahr und die erstmals seit zehn Jahren verpasste Champions-League-Teilnahme.
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Sein 392. Bundesliga-Spiel, in dem er Kapitän war, krönte Scholl mit seinem 98. Erstliga-Tor. Bei seiner Auswechslung nach 57 Minuten war sein Sohn Lucas-Julian der erste Gratulant am Spielfeldrand. «Ich brauche jetzt erst einmal Abstand und Zeit für mich», sagte der gebürtige Karlsruher ergriffen nach der Ehrenrunde, bei der sich auch die Mainzer Fans von ihren Plätzen erhoben und dem Ex-Nationalspieler zujubelten. Am 15. August wird Scholl bei seinem Abschiedsspiel gegen den FC Barcelona noch einmal in die Allianz Arena zurückkehren. Das Tor zum 2:0 (33.), bei dem er nach Doppelpass mit Martin Demichelis, kurzem Dribbling und einem seiner berühmten Haken aus 18 Metern mit rechts ins linke Eck traf, weckte «pure Freude» in ihm. «Man hat heute gesehen, dass ich hier zuletzt nicht nur das Maskottchen war», betonte der nur noch selten eingesetzte Scholl. |
Nicht nur für den Ex-Nationalspieler war es eine versöhnliche «Abschiedsparty», wie Trainer Ottmar Hitzfeld meinte. Neben Roque Santa Cruz (30.) und Mark van Bommel (38.) trafen - bei Mainzer Gegentoren von Chadli Amri (55.) und Markus Feulner (75.) - auch die vor Spielbeginn gemeinsam mit Scholl und Hasan Salihamidzic vom Bayern-Vorstand mit Blumen verabschiedeten Ali Karimi (63.) und Claudio Pizarro (74.) in ihrem letzten Spiel für den Rekordmeister. Tränen weinte ein trauriger Uli Hoeneß aber nur Scholl und Salihamidzic nach, die 15 bzw. neun Jahre lang das Bayern-Trikot trugen und die große Ära mit dem Champions-League-Triumph und Weltpokalgewinn 2001 mitgestaltet hatten. «Wenn Leute wie Mehmet und Hasan den Verein verlassen oder aufhören, kommen einfach Emotionen hoch», sagte Hoeneß bewegt: «Es geht eine Dekade zu Ende. Oliver Kahn ist jetzt fast der letzte Mohikaner aus dieser schönen Zeit.» Kahn, der wegen Rückenschmerzen kurzfristig passen musste und dem 40-jährigen Bernd Dreher noch ein Bundesliga-Spiel ermöglichte, wird 2008 abtreten. Der Kapitän soll dann wieder die an den VfB Stuttgart verlorene Meisterschale in Händen halten. «Wir werden alle Kräfte mobilisieren, um eine Mannschaft zu präsentieren, die unsere Ziele erreichen kann», versprach Hoeneß. Die Namen der neuen Stars blieben weiter geheim, aber Scholl formulierte hohe Erwartungen: «Jetzt muss eine neue Ära beginnen mit Spielern, die für den Verein alles geben.» Drei Jahre durften die Mainzer mit ihren tollen Fans die Bundesliga beleben. «Jetzt ist es wichtig, dass wir zügig eine Mannschaft zusammenstellen, die passt», erklärte Trainer Jürgen Klopp. Ob er beim Neubeginn in der 2. Liga auf den umworbenen Torjäger Mohamed Zidan und Nationalspieler Manuel Friedrich bauen kann, ließen beide Akteure unbeantwortet. Aber selbst mit den zwei Leistungsträgern würde der direkte Wiederaufstieg kein Selbstläufer, glaubt Präsident Harald Strutz: «Die 2. Liga ist so stark nächstes Jahr. Wir werden einen Teufel tun und eine Prognose abgeben.»
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