Rechtzeitig zum Pokalfinale hat Marek Mintal seine lange Leidenszeit beendet. In der letzten Bundesliga-Partie genoss der Nürnberger Stürmer nach zwei Mittelfußbrüchen, drei Operationen und 21 Monaten Pause das fast schon vergessen geglaubte Gefühl als Torschütze.
«Dass ich nach der langen Zeit heute wieder selbst getroffen habe, tut einfach nur gut», schwärmte der Torschützenkönig der Saison 2004/05 nach seinem Führungstreffer zum 3:0 (0:0)-Sieg des 1. FC Nürnberg bei Hannover 96.
Mintal wurde seinem Ruf als «Phantom» der Fußball-Bundesliga nach der kaum enden wollenden Zwangspause gerecht. Er traf nach einer bis dahin blassen Vorstellung und brachte die schwachen Nürnberger in der 54. Minute auf die Siegerstraße, ehe Marco Engelhardt (62.) und Ivica Banovic (90.+1) mit weiteren Toren den «Club» auf Rang sechs der Abschlusstabelle schossen. Zugleich raubten Mintal und Co. den Gastgebern die letzte Chance auf den möglichen Platz im UI-Cup.
«Ich freue mich, dass wir mit einem Sieg ins Endspiel gehen», sagte der 29 Jahre alte slowakische Nationalspieler mit Blick auf die Partie am kommenden Samstag gegen den VfB Stuttgart. «Gegen den deutschen Meister zu spielen, das ist schön», verkündete Mintal, der zuletzt im August 2005 ebenfalls gegen 96 getroffen hatte. Nach den Rückschlägen und zwei vergeblichen Comeback-Versuchen könnte er nun der Joker für den Final-Außenseiter sein, der gegen den VfB mit einer ähnlichen Kontertaktik wie in Hannover spielen dürfte.
«Der hat in einer unglaublichen Art und Weise, mit einer Gelassenheit und einer positiven Ausstrahlung ertragen, dass er fast zwei Jahre nicht spielen konnte», lobte Trainer Hans Meyer seinen Stürmer, der als hängende Spitze agierte. «Wenn er ein Tor macht, und dann noch das entscheidende zum 1:0, dann ist das ein Glücksgefühl, nicht nur für ihn, auch für seinen Trainer.»
Gleichwohl war dem Coach nicht entgangen, dass sein Team sich bis zum kommenden Samstag deutlich steigern muss. «Das 3:0 täuscht über die Ereignisse auf dem Feld hinweg», gab Meyer zu. Der «Club» ließ mehrere gute Chancen der Hannoveraner zu, die drei Mal am Torgehäuse scheiterten und einen regulären Treffer von Thomas Brdaric (49.) wegen angeblicher Abseitsstellung aberkannt bekamen.
Vor dem Saison-Höhepunkt suchte der Nürnberger Coach aber auch die positiven Aspekte. «Wir haben nach der Durststrecke mit nur einem Punkt in vier Spielen wieder sinnvoll nach vorne gespielt», analysierte er und erklärte: «Das gibt Selbstvertrauen. Das brauchen wir gegen den deutschen Meister.» Seine Spieler sahen das ähnlich. «Als Vorbereitung für Stuttgart war das optimal», meinte Verteidiger Andreas Wolf und äußerte einen besonderen Wunsch: «Ich hoffe, dass die Stuttgarter feiern und ein bisschen müde sind.»
Hannovers Trainer Dieter Hecking überraschte derweil mit einer ganz eigentümlichen Deutung der verschenkten UI-Cup-Chance. «Vielleicht ist es gut so, dass wir verloren haben und Tabellen- Elfter sind», meinte der 96-Coach. «Dadurch haben wir eine Erwartungshaltung, die dem Verein gerecht wird.»